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In unserem Kloster gibt es unzählige Kruzifixe in allen Grössen und aus verschiedensten Jahrhunderten. Die Bilder des Auferstandenen in unserem Haus lassen sich jedoch leicht an einer Hand abzählen. Es ist nun nicht so, dass wir etwa eine Leidensmystik betreiben würden. Keineswegs. Ich vermute, es gibt einfach generell mehr Darstellungen des gekreuzigten Jesus als des auferstandenen Christus. Denn das Geschehen von Ostern in einem Bild auszudrücken ist schwierig. Und das ist genau das, was wir auch in unserem Leben erleben. Die Erfahrungen von Misserfolg, Scheitern, Leiden, Sterben und Tod sind allgegenwärtig, sie drängen sich in den Vordergrund, erschüttern uns emotional und erhalten dadurch ein enormes Gewicht. Das neue, das unzerstörbare Leben, die Auferstehungswirklichkeit, sie ist zurückhaltend, leise und unaufdringlich. Wir müssen sie suchen. Bei der Auferstehung wird zwar auch in einem der Evangelien von einem gewaltigen Erdbeben berichtet. Aber noch viel mehr sind die leisen Zeichen überliefert. Der Auferstandene ruft Maria beim Namen, er ist der unbekannte Begleiter unterwegs, er bricht das Brot und teilt es, er lässt Thomas seine Wunden berühren, er spricht Frieden zu. Die Auferstehungswirklichkeit drängt sich nicht in den Vordergrund, sie meldet sich nicht mit Pauken und Trompeten, sie ist ein leises Geschehen. Und doch ist es diese Wirklichkeit, die unser Leben trägt. An Ostern haben wir dies wieder feiern dürfen: Das Leben ist stärker als der Tod. Silja Walter hat die leise und doch kraftvolle Auferstehungswirklichkeit Gottes in ihrer lyrischen Sprache so beschrieben:  

«Es gibt das Mächtige, das Übermächtige Andere, so zart wie gar nichts, so zart, so leise wie nichts in der Welt. Auf der ganzen Erde, Sternenhimmel eingeschlossen, gibt es nichts so Leises, Denken, Fühlen und Lieben eingeschlossen, es ist noch unsäglich leiser, und doch hat es die Weltscheibe gesprengt.» Und doch: Das Leben ist stärker als der Tod.  

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine bin ich über WhatsApp in Kontakt mit einer Bekannten, die dort lebt. Sie erzählt mir viel von dem schrecklichen Geschehen, das sie erlebt. Als es mir zu viel wurde, fragte ich sie, wo sie Hoffnung finde. Sie schickte mir dann Fotos von Krokussen, die in ihrem Garten blühen, und dazu schrieb sie: «Jeden Morgen schaue ich die Blumen an. Sie wissen nichts vom Krieg, sie leben nach ihrer eigenen Ordnung: blühen und dann Samen für weitere Blumen hervorbringen. Das Leben kann nicht aufgehalten werden.» 

Der auferstandene Christus lässt sich nur schwer darstellen, jedoch die Auferstehungswirklichkeit, die lässt sich immer und überall entdecken und leben. 

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