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Christoph von Toggenburg, CEO der Hilfsorganisation World Vision Schweiz und Liechtenstein, ist geprägt von einer alten Adelsfamilie. Seine Ausbildung im Klosterinternat Disentis und die vielen Auslandserfahrungen haben ihn auf besondere Weise zu einem humanitär Engagierten geformt.

von Anton Ladner

Zweifellos, der 45-jährige Christoph von Toggenburg ist schwer einzuordnen: drahtig wie ein Athlet, herzlich offen wie ein Kumpel von nebenan, gut ausgebildet im Ausland, Spross einer über 1000 Jahre alten Familie und humanitärer Aktivist mit viel Ausstrahlung. So aussergewöhnliche Menschen schaffen viel Erklärungsbedarf. Er entstammt einem Geschlecht des Hochadels mit einem Grafentitel, der seit 1209 urkundlich besteht. Die von Toggenburgs haben vom 11. bis 15. Jahrhundert das politische Geschehen von der Ostschweiz über Liechtenstein bis Vorarlberg entscheidend geprägt. Die strittige Aufteilung des Erbes war dann einer der Gründe für den Ausbruch des sogenannten Alten Zücherkrieges.

Christoph von Toggenburgs Urgrossvater war Statthalter von Tirol und Vorarlberg und der letzte kaiserliche und königliche Innenminister Österreichs, der Italiens Einverleibung von Südtirol abwickelte. Die historische Bedeutsamkeit der Familie hat bei Christoph von Toggenburg zu keiner Rückwärtsorientierung geführt, im Gegenteil. Er hat einen ganz eigenen Weg eingeschlagen. Da die von Toggenburgs historisch bedingt auch das Schweizer Bürgerrecht besitzen, liessen sich seine Eltern, beide Ärzte, 1977 in der Ostschweiz nieder. Ihr damals geborener Sohn Christoph besuchte später das Internat der Benediktiner in Disentis und entwickelte sich zu einem vielseitig talentierten jungen Mann. Er studierte Kunstwissenschaften, Internationale Beziehungen und Global Management. Seine Website trägt den Titel: «Sei mutig, sei freundlich, sei kühn» − zweifellos sein Lebensmotiv. So arbeitete er fast zehn Jahre lang für das Internationale Komitee des Roten Kreuzes und für die Vereinten Nationen in Kriegsgebieten. Er fuhr mit dem Fahrrad während fünf Monaten von Indien in die Schweiz, um Geld für Leprakranke zu sammeln, was zur Gründung einer Stiftung führte und zum Film «Bike for Help». Sein Film «Alegria» über das Schicksal psychisch kranker Frauen im Himalaya-Gebiet erzielte an vielen Filmfestivals zahlreiche Preise. Von Toggenburg wurde in der Folge Leadership Fellow beim World Economic Forum (WEF) und baute später, angestellt in Genf, das humanitäre Engagement des WEF mit einem Netzwerk zwischen Wirtschaft und humanitären Organisationen auf.

«Hoffnung, Liebe und Neugier treiben mich durch die Welt. Jede Begegnung, jede Landschaft und jeder Moment schenken mir ein besseres Verständnis von Freude, Schönheit, Traurigkeit, Wahrheit und Kreativität», lautet sein Credo. Man kann darin ein humanistisches, christliches oder auch buddhistisches Statement sehen. Lebenserfahrungen mit Menschen in Not führten bei Christoph von Toggenburg zu einer holistischen Sicht. Seine Frau Valentine, Rechtsanwältin im Bundesamt für Justiz und derzeit in die Umsetzung der Sanktionen gegen Russland involviert, unterstützt ihren Mann bei seinem humanitären Engagement. 3500 Kilometer legten sie gemeinsam durch Asien auf dem Fahrrad zurück und unterstützen damit psychisch kranke Obdachlose, was 2018 zum Film «The Dream Journey» führte. Sie lernten sich in Genf in einem Lift kennen, was vor einem Jahr zur Hochzeit führte.

Seit drei Jahren leitet Christoph von Toggenburg das Hilfswerk World Vision in der Schweiz und Liechtenstein. Bei World Vision ist die Not nicht auf Regionen, Projekte und Zahlen reduziert. Die Organisation lässt Kinder zu Wort kommen, wie sich durch Unterstützung ihr Leben und ihre Gemeinschaft verbessern. Die Hilfe wird so zu einer Begegnung auf Augenhöhe und dadurch auch zu einem Erlebnis für Spender. Christoph von Toggenburg macht spürbar: Die Kontaktaufnahme mit notleidenden Menschen bereichert – notabene beide Seiten.

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