In der vergangenen Dekade hat die Gemüse- und Gartenbaubranche den CO2-Ausstoss der Gewächshausproduktion um ein Drittel gesenkt. Bis 2040 will der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) vollständig auf fossile Brennstoffe verzichten. Der Weg führt über zwei Etappen.

John Micelli

Schon 2030 sollen 80 Prozent des Energiebedarfs zum Heizen der Gewächshäuser aus erneuerbaren Quellen stammen. Für das letzte Fünftel gibt der VSGP den Betrieben weitere zehn Jahre Zeit. Geht das nicht schneller? «Wir mussten einen Zeithorizont vorgeben, der eine Amortisation der Investitionen zulässt», erklärt Verbandsdirektor Matija Nuic und verweist auf erste Erfolge dank Wärmeschirmen und besserer Isolation. Vielen technischen Lösungen für die CO2-Reduktion aber fehle derzeit noch die Marktreife. Und bei älteren Anlagen könnten die neuen Vorgaben ihre Betreiber zur Aufgabe zwingen. «Auch diesen Betrieben müssen wir die Zeit für eine Neuausrichtung geben», so der oberste Schweizer Gemüsebauer. Aber es geht auch um Grund- und Spitzenlast: Wenn Schnee auf dem Gewächshausdach liegt, bei starken Temperaturschwankungen oder wenn Feuchtigkeit abgezogen werden muss, erfordern diese Energiespitzen bis zu 20 Prozent des jährlichen Verbrauchs. Dieser zusätzliche Bedarf muss schnell zur Verfügung stehen. Mit der Etappierung der Reduktionsziele soll verhindert werden, dass überdimensionierte Anlagen in Betrieb genommen werden müssen, um für diese Situationen gewappnet zu sein. Nach 2040 erlaubt der VSGP fossile Brennstoffe nur noch für Notfallsysteme, die bei einem Totalausfall der Heizung – der die gesamte Ernte gefährden könnte – zum Zuge kämen

Nachhaltigkeit im Trend
Die Kosten für die Umstellung werden von Förderprogrammen und dem Markt getragen. Die Reduktion entspreche dem Wunsch von Abnehmern, Konsumentinnen und Konsumenten, erklärt Nuic: «Wir müssen Mehrwerte liefern. Wenn wir zeigen können, dass eine Tomate oder eine Gurke aus der Schweiz auch bezüglich des Energieeinsatzes nachhaltiger ist, ist das ein gutes Argument im Verkauf.» Rund 30 000 Franken Fördergelder pro Hektar könnten Betriebe gemäss einer VSGP-Informationsbroschüre für seine Mitglieder von der Stiftung Klimaschutz erwarten – bei Ersatz der fossilen Heizanlage durch Holzfeuerungen und Wärmepumpen oder dem Anschluss an einen Wärmeverbund. Das klinge zwar nach viel Geld, relativiert Nuic, aber eine neue Heizung koste ein Vielfaches und müsse ohne Investitionshilfen vorfinanziert werden. Ausserdem hätten grosse Bauvorhaben in der Landwirtschaftszone oft hohe Hürden zu bewältigen. Der Direktor jedoch ist zuversichtlich: «Das Reduktionsziel erzeugt einen gewaltigen Schub hinsichtlich Nachhaltigkeit.» Nuic rechnet mit knapp 30 000 Tonnen CO2, die jährlich eingespart werden können.