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Die Psalmen sind ein grosser Schatz der jüdisch-christlichen Tradition, ja eigentlich der Menschheitsgeschichte. Diese über 2000 Jahre alte Sammlung von Gebeten zeugt von einem existenziellen Ringen von Menschen mit ihrem Schicksal und mit dem Geheimnis unseres Lebens, das wir Gott nennen. Wir lesen von Zweifel und Vertrauen, von Hoffnungslosigkeit und Zuversicht.  

Gerne stelle ich Ihnen den Psalm 42/43 vor, mit seinem Kehrvers, der uns auch für unseren Alltag wichtige Orientierung geben kann: «Meine Seele, warum bist Du betrübt und bist so unruhig in mir. Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken. Meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.» Der Kehrvers empfiehlt eine innere Haltung, die uns Jesuiten von unserem Ordensgründer Ignatius her bekannt ist. In Zeiten der Unruhe und der Niedergeschlagenheit sind wir eingeladen, eine Haltung des Dankes einzunehmen. In Dankbarkeit auf mein Leben schauen. Dann, so die Zuversicht, werde ich vieles entdecken, was ich geschenkt bekommen habe.  

Als Grund der Unruhe und der Niedergeschlagenheit beschreibt der Psalmenbeter drei Grunderfahrungen des Menschen. Die erste Grunderfahrung ist die der Trockenheit, buchstäblich und im übertragenen Sinn. «Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach Dir», so lautet der bekannte Beginn dieses Psalms. Mit dem Blick des Dankes erinnert sich der Beter dann an die beglückenden Erfahrungen einer gemeinsamen Wallfahrt nach Jerusalem «Das Herz geht mir über wie ich zum Hause des Herrn zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank, in feiernder Menge.» Die Trockenheit ist oft auch ein Kreisen um uns. Wir werden eingeladen, dieses Kreisen zu durchbrechen, mit dem Blick der Dankbarkeit auf unser Leben. 

Als zweite Grunderfahrung der Unruhe beschreibt der Psalmenbeter das Überwältigtwerden. Als Bild wählt er die Fluten, Wellen und Wogen des Lebens. Inmitten dieses Umhergeworfen-Werdens wird Gott als der Fels beschrieben, der uns Halt, Grund und Sicherheit gibt. Was wirbelt uns herum in diesen Tagen? Wo erfahren wir festen Grund?  

Als eine dritte Grunderfahrung von Unruhe und Misstrost nennt der Psalmenbeter schliesslich menschliche Konflikte und die Erfahrung von Ungerechtigkeit.  

«Sende Dein Licht und Deine Wahrheit, damit sie mich leiten. Sie sollen mich führen zu Deinem heiligen Berg und zu Deiner Wohnung», so fasst der Psalmenbeter schliesslich seine Sehnsucht zusammen.  

Die Heimat von uns Christen ist nicht mehr der Tempel oder ein äusserer Bezugspunkt. Die Heimat von uns Christen ist eine Beziehung. Die Beziehung zu Christus. Mit Christus über mein Leben sprechen, über meine Trockenheiten, mein Überwältigtwerden, meine Konflikte.  

«Euer Herz lasse sich nicht beunruhigen.» Vielleicht ist es die Einladung, in Dankbarkeit auf unser Leben zu schauen. Unsere Vereinsamung zu überwinden, auf Gemeinschaft hin. In unserer Glaubensbeziehung, in der Christusbeziehung zur Heimat und zur Wahrheit unseres Lebens zu finden.  

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