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Erinnerungen an traumatische Erlebnisse lassen sich kontrollieren, indem man die aufkommenden Bilder gezielt unterdrückt. Bislang war jedoch unklar, was dabei mit der Erinnerung passiert. 

von Verena Müller 

Viele Menschen machen in ihrem Leben negative Erfahrungen, an die sie möglichst nicht erinnert werden möchten. Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen die Ereignisse wach werden. Oft werden solche ungewollten Erinnerungen durch harmlose Gegenstände ausgelöst, die auch bei der ursprünglichen Erfahrung zugegen waren. Der Turnschuh, der an den Autounfall erinnert, oder der Teddy an das verletzte Kind. Frühere Studien hatten herausgefunden, dass solche Erfahrungen steuerbar sind. Schiebt eine Person aktiv die aufkommenden Bilder aus ihrem Bewusstsein, lassen sich die assoziierten Szenen im Nachgang schlechter abrufen. Sie werden vergessen. Bislang war jedoch unklar, wie es im Nachhinein um die gespeicherten Szenen steht – sind die tatsächlich verblasst? Und wie lässt sich dieses Vergessen im Gehirn beobachten? 

«Unterdrückt man aktiv eine Erinnerung und ruft sie anschliessend erneut ab, treten die Bilder weniger lebhaft in Erscheinung als zuvor», erklärt Ann-Kristin Meyer, Doktorandin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer hätten demnach die Bilder weniger klar vor ihrem inneren Auge gesehen. Manchmal seien sie sogar ganz verschwunden. «Wir haben ausserdem beobachtet, dass dieses Verblassen der Erinnerung mit einer geringeren Reaktivierung der Gedächtnisspur im Gehirn einhergeht.» Das heisst, die spezifische Hirnaktivität, die während des ursprünglichen Erlebnisses aufgetreten war, hat sich verändert. Durch das absichtliche Unterdrücken der Erinnerung kann das Gehirn die Bilder schlechter abrufen als zuvor. Dabei hat sich herausgestellt, dass bei denjenigen, die die Erinnerungen besonders gut unterdrücken konnten, auch die Gedächtnisspur im Nachgang entsprechend schwächer auftrat. 

Aktives Vergessen hilft
Aus früheren Untersuchungen wussten die Forschenden bereits, was während des Unterdrückens selbst im Gehirn passiert. Der präfrontale Cortex im Stirnbereich hemmt die Aktivität des Hippocampus, also der Struktur in den tieferen Hirnregionen, die dafür sorgt, dass Erinnerungen reaktiviert werden, die in anderen Bereichen des Cortex gespeichert sind. Die aktuellen Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Hemmung zu einer anhaltenden und langfristigen Abschwächung der Gedächtnisspur führt.   

«Vergessen hat eigentlich einen schlechten Ruf», sagt Roland Benoit, Leiter der Forschungsgruppe Adaptives Gedächtnis am Leipziger Max-Planck-Institut. «Aktives Vergessen kann aber ein hilfreicher Mechanismus sein, um Erinnerungen an schlimme Erlebnisse nicht immer wieder ungewollt aufkommen zu lassen.» Durch die Kontrolle der eigenen Gedanken sei es offenbar tatsächlich möglich, die Erinnerungen zu schwächen und die neuronalen Spuren im Gehirn potenziell zu löschen. 

Warum einige Menschen besser im Vergessen sind als andere, sei bislang unklar. Besonders schwerfalle es jedoch denen, die etwa unter Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen leiden. Zukünftige Studien sollen nun herausfinden, ob und wie das absichtliche Vergessen zur psychischen Gesundheit beiträgt.

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