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Im Mai, glücklich, wer einen Garten hat! Es grünt, es blüht. Der richtige Ort, sich am Leben zu freuen. Trotz allem, was uns Sorgen macht. Trotz aller Friedlosigkeit auf Erden. Ein Ort der Liebe. Ja, sogar ein Ort der allerersten Liebe. Das bestätigt uns das Buch Genesis, das erste Buch der Bibel: Dann pflanzte Gott in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte (Gen 2,8).

Der erste Mensch stolpert nicht einfach irgendwo ins Leben, wo er sich mühsam zurechtfinden muss. Nein, schon in den ersten Augenblicken seines Daseins erlebt er sich eingebettet im Garten der Liebe. Der grosse Liebende ist Gott. Er hat den Menschen zuerst geliebt.

Nachdem das Schöpfungswerk weitergeht, sieht Gott ein, dass der mit Liebesfähigkeit ausgestattete Adam ein liebesfähiges Gegenüber braucht: Eva! Jetzt ist die Welt für alle Beteiligten in Ordnung (Gen 2,23). Ein Paradies!

Wo die Liebe das Sagen hat, da ist Freiheit. Wenn ich einen Menschen wirklich liebe, dann zwinge ich ihn zu nichts. Ich sage ihm höchstens: Vorsicht, hier könntest du stolpern! So war es auch im Garten der ersten Liebe. Gott hatte das Menschenpaar aufmerksam gemacht, dass die Früchte eines ganz bestimmten Baumes ihnen nicht guttun würden. Doch der Baum war eine Augenweide, und der Genuss der Frucht könnte sie beide gewiss nur klüger machen, meinten sie. Weil das erste Menschenpaar die Freiheit in sich trug, Gottes Empfehlungen zu befolgen oder auch nicht, entschieden sich die beiden, die Empfehlung zu missachten. Und so verloren sie alles, was ihnen geschenkt worden war. Wirklich alles? Es gingen ihnen die Augen auf (Gen 3,7), sagt der Text. Jedoch sie erlebten sich in einem Gefühl tiefer Scham. Nackt voreinander und vor Gott, dem grossen Liebhaber.

Die wahre Liebe nimmt ihr Geschenk nie ganz zurück. Um die Scham der ersten Menschen zu mildern, fertigt Gott mit eigener Hand für Adam und seine Frau Röcke aus Fellen (Gen 3,4). Eine Äusserlichkeit und gleichzeitig eine so menschliche Zuwendung von göttlicher Seite. Das eigentliche Geschenk aber, das Gott den Menschen hinterlässt, ist die starke Spur seiner Liebe in ihren Herzen. Das Paradies müssen sie verlassen. Was sie unverlierbar mitnehmen, sind die Fähigkeit zu lieben und die Sehnsucht nach dem Garten der Freiheit, wo Gott immer noch im Abendwind einhergeht. Ganz leise.

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