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Als ein Journalist den Stadtpfarrer einer bekannten Schweizer Fasnachtsstadt fragte, ob es etwas gebe, was ihn an der Fasnacht störe, antwortete dieser: «Vor allem, dass sie so schnell vorüber ist.» 

Die echte Fasnacht hat nichts mit Ausschweifung und Gehenlassen zu tun, sondern mit Auszeit, Sorglosigkeit und Fröhlichkeit. Für eine kurze Zeit die Alltagssorgen hinter sich lassen, in andere Rollen schlüpfen, Humor und Gemeinschaft. 

Im Buch Jesus Sirach steht: «Überlass dich nicht der Sorge, schade dir nicht selbst durch Grübeln» (Sir 30, 21). Und im Matthäusevangelium werden wir ermahnt: «Sorgt euch nicht um euer Leben. Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?» (Mt 6, 25.27).  Nicht, dass die Heilige Schrift uns zur unbekümmerten Sorglosigkeit ermuntert. Aber sie ruft uns in Erinnerung: Es gibt nicht nur menschliche Sorgen, es gibt auch die Gelassenheit jenes Menschen, der Gott vertraut. Denn Gott ist der Grund unserer Freude. 

Wir treffen im Evangelium Jesus und seine Jünger oft bei Festen an. Es gibt viele Stellen, wo er den Schriftgelehrten mit Witz und Schlauheit antwortet und ihre Scheinheiligkeit so entlarvt, dass sie es akzeptieren müssen. Auch in den Gleichnissen klingt oft ein feiner Humor an. Dass Jesus selbst Humor hatte und mit den Menschen lachen konnte, übersteigt zwar fromme Vorstellungen, ist aber bei genauerem Hinsehen eine Tatsache. Im Gleichnis vom Kamel und vom Nadelöhr zum Beispiel scheinen Witz und Humor durch, denn hier werden zwei Dinge verglichen, die niemals zusammengehen. Es ist ungefähr dasselbe, als wenn wir darauf wetten, eine Putzfrau samt Besen zu verschlingen – unvorstellbar, und darum bringt es uns zum Lachen. Solche Übertreibungen benutzt Jesus öfters und nicht, was er sagt, sondern was er damit meint, ist ernst zu nehmen.  

Bei den Heiligen finden wir oft einen feinen Humor. Philipp Neri zum Beispiel wird schon zu Lebzeiten «Narr Gottes» oder «der lachende Heilige» genannt. Einer Contessa, die in der Beichte bekannte, dass sie oft schlecht über andere rede, hat er zur Busse aufgetragen, ein Huhn zu rupfen.  

Tragisch-Komisches erzählt man sich von den Bettlern vor den Toren der Stadt Tours: Wenn sie erfuhren, dass demnächst der heilige Martin vorbeikommen werde, machten sie sich aus dem Staub, um ja nicht beim Anblick des Heiligen geheilt zu werden und somit ihrer Existenzgrundlage (das Betteln) beraubt würden. Und von Papst Johannes XXIII. wird der Ausspruch überliefert: «Papst werden kann jeder – das sieht man an mir!» Ebendieser Papst hat vielleicht den Kern der Fasnachtszeit getroffen mit seiner Selbstkritik: «Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!» − ein gutes, geistliches Motto für die Fasnacht. 

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