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Gestern hat mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit begonnen und damit die Zeit, um die Beziehung zu Gott und meinen Mitmenschen neu in den Blick zu nehmen. Es ist die Zeit der Umkehr, der Abkehr von dem, was Leben zerstört, und der Hinkehr zu dem, was Leben ermöglicht. Viele der biblischen Texte in diesen Tagen sprechen davon.  

Ein sehr eindrücklicher biblischer Bildtext ist jener von dem Weinstock und den Reben im Johannesevangelium. Franz Jalics, ein grosser Kontemplationslehrer, hat diesen Text in einem seiner Bücher sehr anschaulich auf unser Leben hin ausgelegt. Was zeigt sich, wenn wir Menschen anstelle der Rebzweige am Weinstock wachsen würden? Da wäre wohl die grosse, alles bestimmende Sorge der Rebzweige, saftige und schmackhafte Trauben hervorzubringen. In dieser Sorge täten die Reben nichts anderes, als sich darauf zu fokussieren, in hektischer Hochleistung fruchtbar zu sein. Schon in der Ruhephase des Winters drehten sich die Gedanken um die zukünftige Ernte, und in der Blütenzeit kreisten sie um die Grösse der Früchte. Sind diese dann da, würde das Vergleichen beginnen. Wir sähen, wie die Trauben der Nachbarrebe sich schneller entwickelten, auf besserem Boden stünden, mehr Regen bekämen und von der Sonne länger beschienen würden. Und je mehr sich die Reben um das Wachstum sorgten, je mehr sie versuchten, aus eigener Kraft fruchtbar zu sein und Saft in die Früchte zu pumpen, umso weniger wüchsen die Trauben. Das Wesentliche nämlich, die Verbindung zum Weinstock, ist aus dem Blick gefallen und dadurch blockiert.  

Der Ausweg liegt in der Umkehr, die darin besteht, die Verbundenheit mit dem Rebstock zu entdecken. Das Evangelium sagt es so: «Getrennt von Gott könnt ihr nichts vollbringen.» Wenn sich die Rebzweige voller Angst und Sorge nur noch auf die Früchte konzentrieren, dann versperren sie sich den eigentlichen Zugang zur Lebensquelle und zur Fruchtbarkeit. Es ist eine Täuschung zu meinen, gelingendes Leben lasse sich selber herstellen. Die Lebenskraft fliesst im Weinstock und sie möchte auch durch die Reben in die Traubenbeeren strömen. 

In der Fastenzeit dürfen wir neu entdecken, dass wir der Leben spendenden Gotteskraft angehören und uns das zufliesst, was wir zum Leben brauchen. Wir dürfen uns beschenken lassen von einer tragenden Fülle, ohne etwas dafür leisten zu müssen. Und wir dürfen ausruhen in einer heilenden Liebe, die durch uns auch für andere Menschen wirksam und fruchtbar werden will. Es ist das Geschenk der Fastenzeit, in den kommenden Wochen neu zu lernen, den schöpferischen Impulsen Gottes mehr zu vertrauen als unserer eigenen Dürftigkeit.  

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