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Eines Herren Magd sagt ihr freies Ja zu seinem Willen. Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Wer ist diese Magd? Wer ist der Herr?  

Der Sprache nach muss der überlieferte Text aus einer Kultur stammen, in der die Herren den Mägden sagten, was sie zu tun hatten. Sie waren schlicht Ausführende seines Willens. Oftmals liess der Herr seine Anweisungen auch einfach durch einen Boten übermitteln. So auch im Folgenden.  

Die Magd ist ein jüdisches Mädchen, ihr Herr ist der Gott Israels (Lk 1,26-55). Er entsendet nicht einfach irgendeinen Boten nach Nazareth, sondern einen Engel. Der betritt unerwartet den Raum der jungen Maria und begrüsst sie als Begnadete. Sie erschrickt. Wie hatte der Engel sie angesprochen? Begnadete? Sie dachte nach, was dieser Gruss zu bedeuten habe. Der Engel lässt ihr Zeit. Das ist wohl ganz im Sinne dessen, der ihn gesandt hat: Gott, der Herr. Dieses Menschenkind darf und soll – wie überhaupt alle Kinder dieses Gottes – zuerst zu sich selbst finden. Dann erst übermittelt der Gottgesandte die eigentliche Botschaft: Du wirst schwanger werden mit einem Kind, das Sohn des Höchsten genannt werden wird.  

Seit 2000 Jahren wird diese Begebenheit weitererzählt all jenen, die dem verheissenen Kind und seiner Lehre gefolgt sind: Frauen und Männer. Durch diese Geschichte der Ankündigung einer Schwangerschaft sind Frauen zweifellos am nachhaltigsten geprägt worden. Theologisch «verwaltet» jedoch wurde die Botschaft von Männern. 

Die männlich-theologische Deutung verstand weitgehend den Gehorsam der Frau als den einer Magd, die keine Rückfragen zu stellen hat. 

Doch schauen wir auf den weiteren Dialog zwischen Maria und dem Gottesboten. Maria ist zunächst die Zuhörende, dann unterbricht sie den Engel und stellt von sich aus eine Frage: Wie soll das geschehen? 

Der Engel – sein Herr ist ein Gott des Dialogs – geht auf die Frage ein. Er spricht vom Heiligen Geist, der über sie kommen werde. Bei Gott sei kein Ding unmöglich, sagt er, und führt ein eindrückliches Beispiel an für das Walten Gottes an Elisabeth, eine betagte Verwandte von Maria. Maria hört zu. Sie vertraut, denkt nach, findet zu sich selbst und ergreift das Wort: Ja, ich bin des Herren Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. 

Und dann? Maria bricht auf zu einem Besuch bei ihrer Verwandten. Ein langer Fussmarsch. Sie braucht Zeit zum Nachdenken über ihr Ja. Dann, in der Begegnung mit Elisabeth, bricht es aus ihr heraus: Magnificat, hoch preist meine Seele den Herrn, mein Geist frohlockt und jubelt! – Es ist das Lied von Freiheit und Befreiung.

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