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In Visperterminen, wo der höchste Weinberg Europas wächst, findet an Fronleichnam eine besondere Prozession statt. Dabei verschmelzen Frömmigkeit und Fröhlichkeit, was ein einzigartiges Gemeinschaftsgefühl generiert.

von Jürg Krattiger

An Fronleichnam, am Herrgottstag, wie die Einheimischen sagen, findet in Visperterminen auch ein Fest der Jugend statt. Das fängt damit an, dass die 21-Jährigen am Abend vor Fronleichnam im 1500-Seelen-Dorf vier Altäre aufbauen und mit Tannenzweigen, Blumen, Bildern und Kerzen schmücken. Eine der jungen Visperterminerinnen sagt: «Fronleichnam bedeutet für mich festliche Tradition, die alle zusammenbringt und ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt.»

Die vier Altäre stehen jedes Jahr unter einem bestimmten Motto. Dementsprechend sind die Altäre geschmückt. Am Vorabend vor Fronleichnam versammeln sich die Jungen zum Zapfenstreich. Der Auftritt dauert kaum zehn Minuten, soll aber genügen, um den Geist des Herrgottstages heraufzubeschwören. «Schon als kleines Mädchen wollte ich hier mitspielen», erzählt eine Pfeiferin, die schon seit 1992 dabei ist. Lange Zeit durften Frauen nicht mitspielen. An Fronleichnam läuten die Glocken bereits um 4.15 Uhr im prächtig beflaggten Dorf. Eine halbe Stunde später treffen sich Tambouren, Pfeifer und Musikanten im obersten Dorfteil. Bis sechs Uhr spielen sie – noch ohne Uniform – auf den drei Dorfplätzen und wecken das ganze Dorf. Um halb neun rufen dann die Trommler zur Prozession. Weiss gekleidete und bekränzte Mädchen, Frauen in der Walliser Tärbinertracht mit perlmuttfarbenen Moiréschürzen und goldbestickten Kreshüten reihen sich ein. Während die Glocken läuten, schreitet der Pfarrer unter einem goldbestickten Baldachin zum ersten Altar bei der Kirche. Mit dem seidenen Kelchtuch umfasst er die vergoldete Monstranz.

Später ertönt der gemischte Chor, bevor sich um 100 Karabiner unter den Klängen des Parademarsches im Gleichschritt in Bewegung setzen. Ihre Aufmachung erinnert an frühere Jahrhunderte, in denen junge Männer als Söldner in fremde Kriegsdienste zogen, weil die Alpentäler nicht allen Familienmitgliedern eine Existenz bieten konnten. Den Reisläufern folgen Tambouren und Pfeifer, die zum Takt des Marsches ihre Oberkörper hin und her wiegen, die Musikgesellschaft und die Männer der Ehrengarde. Die weissgekleideten und bekränzten Mädchen tragen auf einer Art Sänfte behutsam verschiedene Heiligenstatuen. Sie werden begleitet von den Messdienern, dem Gemischten Chor, den Erstkommunikanten und den Schülern. Dann folgen Männer und Frauen, die in sich gekehrt den Rosenkranz beten. Den Abschluss der Prozession bilden die Trachtenfrauen. Die zweistündige Prozession endet in der Kirche mit einem Gottesdienst. Danach geht es hinauf zum Gemeindehaus, wo ein Heidawein aus dem Burgkeller serviert wird, was zu einem richtigen Fest wird. Die Visperterminer bauen ihren Wein in den höchsten Weinbergen Europas in beachtlicher Qualität an. Der Heida, ein rezenter Traminer-Weisswein, gedeiht nämlich auf südwestlich exponierten Hängen bis auf 1100 Meter über Meer.

 

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