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Mich fasziniert immer wieder das Musikstück Alina von Arvo Pärt. Da wird, durch wenige Klänge und viele Pausen, alles auf das Wesentliche reduziert. Er selbst sagt dazu: «Ich habe entdeckt, dass es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Dieser eine Ton, die Stille und das Schweigen beruhigen mich.» Es ist tatsächlich so, durch den Klang einzelner Töne, zumeist Dreiklänge, die in lange Pausen münden, entsteht eine Atmosphäre, die meditativer nicht sein könnte.

Die Pausen in der Musik sind die Augenblicke, in denen das Instrument schweigt, still ist. Pausen sind sozusagen ein Nichts. Und doch, ohne Pausen wäre Musik nur unerträglicher Lärm. Die Pausen sind es, die die Musik erst ermöglichen und das Werk gelingen lassen.

Ganz Ähnliches berichtet die Bibel darüber, wie Gott die Schöpfung erdacht und gestaltet hat. Über den Abschluss des Schöpfungswerkes heisst es da: «Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn.» Erst durch die Ruhe am siebten Tag kommt die Schöpfung zur Vollendung, ist das Werk vollständig. Dies zeigt: Nicht allein das Schaffen, sondern ebenso das Ruhen gehört dazu und ist Teil des Ganzen. Wie die Pause in der Musik kein Klang ist, so ist auch das Ruhen keine Produktivität. Und doch sind die Pausen und das Ruhen unverzichtbare Elemente, ohne die das Ganze nicht gelingen kann.

Die Heiligung des siebten Tages, von der die Bibel erzählt, ist der Ursprung unserer Sonntagsruhe. Dabei liegt das Wesentliche jedoch nicht im Appell, in einem Gebot oder Verbot, sondern vielmehr in der spirituellen Deutung. Und diese lautet: «Erinnere dich daran, dass du dir deinen Lebenswert nicht verdienen musst, ja nicht einmal verdienen kannst. Nicht das, was du leistest oder was du kannst und erreichst, macht deine Würde aus. Vertraue vielmehr darauf: Du bist unendlich wertvoll, einfach weil du bist! Du bist geborgen in göttlicher Liebe – wenn du arbeitest und wenn du ruhst.»

Das tiefste Geheimnis unseres Lebens ist die Liebe, die bedingungslose Liebe Gottes, die ich mir nicht erarbeiten, erwirtschaften oder selber produzieren muss. Sie ist in jedem Augenblick da, umfängt, trägt und hält mich, zumeist unbemerkt. Vernehmen kann ich die Wirklichkeit dieses Geheimnisses in der Stille, wenn ich dem Klang nachlausche, der durch mein Leben und Tun entstanden ist, und aus diesem Geheimnis neue Kraft schöpfe für mein Wirken und Sein.

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