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Wenn man im Himmel sei, hat mal ein humoriger Prediger geweissagt, wundere man sich über drei Dinge. Erstens: wer alles da sei; zweitens: wer alles nicht da sei und drittens: dass man selber da sei. – Die Frage nach Himmel und Hölle. Viele haben sie längst ausgeblendet. Ob es überhaupt so etwas wie ein Leben nach dem Tod gibt, ist bei den meisten Menschen interessanterweise gar nicht mal so sehr umstritten. Knapp 70 Prozent der Befragten, hiess es neulich in einer Statistik, glauben irgendwie an ein Weiterleben nach dem Tod. Natürlich nicht alle im christlichen Sinn! Doch wie auch immer: Für beachtlich viele Menschen ist mit 1,80 Meter unter der Erde noch lange nicht alles vorbei.

Den Glauben allerdings, dass es im Jenseits eine Art Zahltag gebe – dass eine göttliche Letztinstanz über endgültiges Sein oder Nichtsein entscheidet, die Guten also in den Himmel kommen und die Bösen erst einmal nicht –, verweisen nicht wenige in das Reich der Legende. Und ihre Ablehnung eines Gerichtsgedankens verbucht tatsächlich etwas Richtiges für sich. Denn ein Glaube, der sich nur an Gott hält, weil er Angst vor der Hölle hat, ist ja überhaupt gar kein Glaube. Bei Gott geht es immer um Liebe, um Leben – unermesslich gross, unermesslich weit. Aber nicht um kleinkarierte Strafregister.

Doch so richtig das ist, die Sache hat einen Haken. Was, glauben wir, wird wohl werden aus den Menschenschlächtern in der Ukraine, in Mali, in Afghanistan oder sonst wo in der Welt? Was ist mit den KZ-Wärtern, die sich nach dem Niedergang des Dritten Reiches ein schönes Leben an den Stränden Lateinamerikas machten, und was mit den bezahlten Killern von Strassenkindern in Brasilien oder in Argentinien? Die Terrorsöhne des Nahen Ostens: Werden die wirklich im Paradies enden, umgeben von 70 hingebungswilligen Jungfrauen? Und dort womöglich mit Hitler oder Stalin Kaffee trinken? Möchte sich das jemand vorstellen?

Die Bibel kennt so etwas wie Letztverantwortung für gelebtes Leben. Denn Gott ist kein Schmusibusi-Gott. Er nimmt alles Leben ernst. Gott liest, was in den Herzen der Menschen geschrieben steht, heisst es einmal sehr schön an einer Stelle des Neuen Testaments. Das ist keine Drohung. Das ist keine Angstmacherei. Aber das ist Ausdruck der Liebe Gottes. Es ist ihm eben nicht egal, was wir hier auf Erden tun oder lassen. Jesus spricht immer wieder davon in ganz eindringlichen Bildern. Es geht ihm nicht um das sture Befolgen von Gesetzen und Vorschriften, um dann eines Tages mit einer weissen Weste vor Gott stehen zu können. Der Himmel ist ja kein Anlaufpunkt für Rabattmarkensammler. Jesus geht es vielmehr um die Brisanz einer Frage, für die er uns Tag für Tag neu sensibilisieren will. Denn wenn wir dereinst Face-to-Face vor Gott stehen, dann ist das Einzige, was zählt, die Frage, ob wir auf das Ja, das ER zu uns gesprochen hat, genauso grossherzig und unbedingt antworten können, indem wir Ja sagen zu IHM. Aber dieses Ja zu Gott darf kein Blabla sein. Wir müssen es mit Leben füllen können schon im Hier und Jetzt. Die entsprechenden Impuls-Fragen wären Legion. Am Ende geht es um dieses: Können wir Ja sagen zu Gott und darum auch Ja zu den Menschen? Die Antwort bleiben wir schuldig, müssen sie immer wieder neu mit unserem Leben belegen. Damit sie dann lichtreich offensteht, diese Tür, die wir nicht grundlos Himmelspforte nennen.

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