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Es ist Ferienzeit. Bei der Wahl von Reisezielen beeindrucken uns zwar die Bilder herrlicher Sandstrände, immer öfter gibt es aber auch Meldungen von Hitzerekorden und Waldbränden, die nachdenklich machen. Seit einiger Zeit hat Papst Franziskus den Beinamen «grüner Papst», denn er hat die Politik angesichts der Klimakrise zu entschlossenem Handeln aufgefordert und vor einer «unbewohnbaren Welt» gewarnt. Papst Franziskus ist zwar kein Spezialist für Klimaökonomie, aber er hat die enorme Bedeutung des Klimaproblems als soziales Problem für die Menschheit erkannt. In seiner Umwelt-Enzyklika «Laudato si‘» aus dem Jahr 2015 schreibt der Papst: «Die Zeit für einen Kurswechsel ist da. Rauben wir der jungen Generation nicht die Hoffnung.» Das tönt fast so, als ob Franziskus selbst bei den Klimastreiks von «Fridays for future» mitgelaufen wäre. Jedenfalls betont das Oberhaupt der weltweit 1,3 Milliarden Katholiken, dass die Bewahrung der Schöpfung eines der zentralen Themen des christlichen Glaubens sei, schliesslich sei das ja mit der Schöpfungsgeschichte am Anfang der Bibel zu begründen.      

In vielen katholischen und reformierten Kirchgemeinden der Schweiz ist der Einsatz für den Klimaschutz längst eine selbstverständliche Sache. 2015 wurde dafür der «Grüne Güggel» als Umweltmanagementsystem eingeführt. Durch den Grünen Güggel lernen Kirchgemeinden, sparsamer mit Ressourcen wie Strom, Wärme, Wasser und Papier umzugehen, fair und umweltfreundlich einzukaufen oder Abfall zu reduzieren. Dafür erhalten sie ein Zertifikat, das alle vier Jahre erneuert wird. So sieht vorbildliches christliches Engagement für den Klimaschutz aus.       

So sehr der päpstliche Einsatz für den Klimaschutz zu würdigen ist, es muss auch kritisch angemerkt werden, dass es in «Laudato si‘» auch Passagen gibt, die eine wenig nachvollziehbare Kritik an der Idee des Zertifikatehandels enthalten. Daran zeigt sich, dass der Vatikan immer noch Vorbehalte gegen die Marktwirtschaft hat, aber auch vor einem zu grossen Staat warnt und die Bedeutung der Tugendethik betont. Das ist nicht falsch, aber es macht auch eine politische Schwäche des «grünen Papstes» deutlich: Trotz aller Bemühungen um den Klimaschutz scheint ihm das Projekt der Moderne nicht ganz geheuer. In der Konzilszeit der 1960er- und 1970er-Jahre war die Katholische Kirche noch bereit, sich ein Stück weit auf die Moderne einzulassen. Dann, so könnte man es sagen, bekam sie kalte Füsse. Momentan wird sie in einer Weise mit den Ansprüchen der Moderne konfrontiert, die historisch ziemlich einzigartig sein dürfte. Interessanterweise zwingt der Missbrauchsskandal die Katholische Kirche aktuell dazu, sich mit der Moderne in einer nie dagewesenen Weise auseinanderzusetzen. Es sind die Errungenschaften der Moderne, die jetzt mit grosser Verspätung in der Katholischen Kirche ankommen. Klimaschutz hin oder her: Die Katholische Weltkirche muss das Projekt der Moderne und ihre Rolle darin nochmals überdenken und damit auch ihr Verhältnis zu Rechtsstaat, Markt und Demokratie. Auch das hat etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Dann bekommt der grüne Papst am Ende noch den Grünen Güggel.

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