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Zu früheren Zeiten jedenfalls, als es mit dem weiblichen Selbstbewusstsein noch nicht weit her war und die meisten Mädchen sich von früh an nach einem Hochzeiter sehnten, entfalteten sie in der Andreas-Nacht, am 29. November, ein ganzes Repertoire magischer Künste.  

Christian Feldmann 

Warum ausgerechnet der Apostel Andreas, ein schlichter Fischer aus Galiläa, diese Funktion zugewiesen bekam, wissen wir nicht. Die Leute baten ihn einst auch um Kindersegen, gutes Wetter und Hilfe bei Gicht. In der Andreasnacht war das sogenannte «Bettbrett-Treten» verbreitet: Die abergläubische Jungfer musste sich die Haare nach hinten kämmen, die Stube mit einem nagelneuen Besen auskehren und dann ein Kopfbrett schräg gegen die Bettlade lehnen. Darauf stellte sie sodann einen Fuss und sprach die magische Formel: 

«Bettbred, i tritt di,
Heiliger Andreas, i bitt di,
lass mir erschein´
den Herzliebsten mein!» 

Um Mitternacht konnte die gläubige Seele dann angeblich tatsächlich ihren zukünftigen Schatz in der Stube stehen sehen – doch so etwas dürfte auch heute noch möglich sein, wenn man nur intensiv genug an einen aparten jungen Mann denkt. Denselben Effekt hatte das «Schuhwerfen»: Das heiratslustige Mädchen setzte sich auf den Boden, mit dem Rücken zur Tür, und schleuderte den rechten Schuh möglichst schwungvoll über die Schulter hinter sich. Zeigte die Schuhspitze anschliessend zur Tür, so konnte das Mädchen gewiss sein, bald als Braut durch die Pforte hinausgeführt zu werden.  

Wenig bekanntes Leben
In den alten Brevierbüchern hat der Apostel Andreas (griechisch «der Mannhafte»
) übrigens das Kirchenjahr eröffnet. Man weiss nicht viel über sein Leben. Im Evangelium wird berichtet, dass er aus Bethsaida in Galiläa stammte und mit seinem Bruder Simon – der später vom Herrn den Namen Petrus bekam – in Kafarnaum am See Gennesaret wohnte, wo sich beide ihren Lebensunterhalt als Fischer verdienten. Er war zunächst ein Jünger von Johannes dem Täufer und stiess dann als erster der Apostel zum Wanderrabbi Jesus von Nazaret. Ihm – und seinem Bruder Simon – galten dessen Worte: «Folgt mir nach, ich werde euch zu Menschenfischern machen!» 

Missionsreisen sollen Andreas nach Griechenland, Pontos, Bithynien und an das Schwarze Meer geführt haben, andere Überlieferungen sehen ihn in Georgien und Kurdistan das Evangelium verkünden. Im griechischen Patras, wo er sich nach der Legende schliesslich niedergelassen hatte, liess ihn der Statthalter Ägeas im Jahre 60 während der von Kaiser Nero inszenierten Christenverfolgung verhaften. Weil er sich weigerte, den heidnischen Göttern und dem Kaiser zu opfern, soll er am 30. November 60 gekreuzigt worden sein – an einem Kreuz aus Schrägbalken, das seither «Andreaskreuz» genannt wird. Seine Gebeine wurden zunächst in der Apostelkirche von Konstantinopel bestattet und 1208 nach Amalfi bei Neapel gebracht, in die normannisch-arabische Kathedrale San Andrea. 

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