Kundendienst: Tel. 056 203 22 00 kundendienst@diemedienag.ch

Ich kenne eine Frau, die den Namen Maria Regina trägt. Was könnte wohl die Eltern bewogen haben, damals – vor etlichen Jahrzehnten – ihrem neugeborenen Töchterchen diesen Namen zu geben? War es die Nähe zu Maria, der Mutter Jesu? Oder waren es das Glück und die Freude darüber, nun eine Regina, eine kleine Königin, in der Familie zu haben? 

Im August feierte die katholische Kirche nicht nur das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Am 22. August gedachte sie auch der himmlischen Krönung Mariens durch ihren Sohn. Wie kam die Kirche zu diesen Festen?  

Die Anfänge dazu liegen in den frühen christlichen Jahrhunderten, eine eher undogmatische Geschichte. Nach dem schrecklichen Kreuzestod Jesu hatten sich die Jünger angsterfüllt in Jerusalem versammelt. Maria war unter ihnen. So erzählt es die Apostelgeschichte (1,14). Erst in dem Augenblick, wo sich der Heilige Geist im Brausen und unter der Gestalt von Feuerflammen auf alle Anwesenden niederliess, wagten sich die Männer an die Öffentlichkeit. Maria hat dieses Pfingstfest miterlebt. Dann hören wir nichts mehr von ihr.  

Sehr Erbauliches – im wahrsten Sinne des Wortes – findet man über sie in den ausserbiblischen Quellen. Danach ist Maria das heissersehnte Kind ihrer Eltern Anna und Joachim. Seit Jahrhunderten hat ebenfalls die Kunst sich für diese Anna interessiert. Eine von vielen Darstellungen hat meine Aufmerksamkeit erregt: Anna lehrt ihre Tochter Maria das Lesen (Eugène Delacroix, 1852).                                                                                                                                                           

Im Allgemeinen konnten die Frauen zur Zeit Jesu wohl nur in den seltensten Fällen lesen und schreiben. Vielleicht hat Maria in ihrem Elternhaus als einziges Kind etwas mehr Bildung erhalten?  

Immerhin, in der Szene der Verkündigung stellt uns die Bibel eine ganz junge Maria vor als eine Frau mit Herzensbildung, Selbstbewusstsein, Klugheit und wachem Verstand: Ein Engel tritt bei ihr ein, ein erstes Erschrecken, dann ein Nachdenken über die Grussworte des Engels und ihre anschliessende Frage danach, wie das geschehen soll. Erst dann gibt Maria dem Engel ihr Ja-Wort.    

Bis in unsere moderne Zeit ist diese kurze Szene eine Ermutigung für Frauen, sich um eine umfassende Bildung zu bemühen, nicht nur in unserer Kultur, sondern weltweit, wo es noch sehr viele Mädchen und Frauen gibt, denen Maria Ermutigung sein kann, ihr Frausein ganzheitlich zu entfalten. 

Denn: In jeder Frau steckt – noch unentdeckt – eine Königin. 

Share This