Kundendienst: Tel. 056 203 22 00 kundendienst@diemedienag.ch

Diesen Sommer feiert die Limmat Stiftung ihr 50-jähriges Bestehen. Sie ist die erste Stiftung der Schweiz mit der Struktur einer Dachstiftung und hat von Zürich-Fluntern aus weltweit Projekte für 310 Millionen Franken unterstützt. Gegründet wurde sie von Toni Zweifel, für den ein Seligsprechungsverfahren läuft.  

von Anton Ladner 

Als die Limmat Stiftung 1972 in Zürich gegründet wurde, war sie ein Novum. Denn ihre offene Struktur als Dachstiftung ermöglichte es, dass weitere Stiftungen, sogenannte Zustiftungen, sich unter ihrem Dach mit eigenen Projekten und eigenem Stiftungsrat entfalten konnten. Das war damals in der Schweiz einzigartig. Anstoss zu dieser Gründung gab Toni Zweifel, ein in Verona geborener Sohn eines Schweizer Textilindustriellen. Als er 1962 an der ETH Maschineningenieurwesen studierte, zog Zweifel in ein Studentenheim mit christlicher Orientierung, das im Jahr zuvor am Zürichberg eröffnet worden war. Dort lernt er das Opus Dei kennen, trat der katholischen Laienorganisation bei und übernahm später auch die Leitung des Studentenheims.  Noch heute befindet sich der Schweizer Hauptsitz des Opus Dei, dem auch der neue Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain angehört, am Zürichberg. Nach Studienabschluss arbeitete Toni Zweifel erst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am ETH Institut für Thermodynamik.1972 aber gründete er die Limmat Stiftung, übernahm deren Leitung und finanzierte mit ihr vor allem Bildungsprojekte im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe. Als Ingenieur analysierte er die Problematik sozialer Benachteiligung und kam zur Einsicht, dass Bildung der nachhaltigste Ausweg aus sozialer Misere und Armut sei. Diesem Prinzip blieb die Limmat auch nach Zweifels Leukämie-Tod 1989 treu. Der Geist von Toni Zweifel, für den 2001 ein Verfahren zur Selig-und Heiligsprechung eingeleitet und vor zwei Jahren die dazu nötigen Unterlagen beim Vatikan deponiert wurden, lebt am Sitz der Limmat Stiftung in Fluntern weiter. So betreibt die Limmat Stiftung ein Projektzentrum, das den Betrieb finanziert. Dank diesem Polster können die Hilfsprojekte unter dem Dach der Limmat Stiftung mit einem Minimum an Administrativkosten realisiert werden, sodass mindestens 90 Prozent der Spenden an die Lokalpartner fliessen, welche die Sozialprojekte in den Entwicklungsländern umsetzen. Bis heute hat die Dachstiftung Bildungs- und Sozialprojekte mit 313 Millionen Franken unterstützt. Dem Patronatskomitee der Limmat Stiftung gehören Gabi Huber, ehemalige FDP-Nationalrätin, Michel Liès, Verwaltungsratspräsident der Zurich Insurance Group, Yves Serra, Verwaltungsratspräsident der Georg Fischer AG, und unter vielen anderen auch die Schriftstellerin Susanna Tamaro an, die mit «Geh, wohin dein Herz dich trägt» einen Welterfolg erzielte. 

Stiftungsgeschäftsführer François Geinoz betont den offenen Charakter der Dachstiftung: «Unsere Spendengelder kommen aus ganz unterschiedlichen Kreisen, von denen die Mehrheit nichts mit dem Opus Dei zu tun hat.» Der Erfolgsausweis und die hohe Professionalität der Stiftung würden die Donatorinnen und Donatoren überzeugen, unter dem Limmat-Dach ihre Spenden einzubringen und so ihr Vorhaben zu verwirklichen. «Wir haben Personen, die bei uns eine Zustiftung gründen möchten und sich offen als ungläubig deklarieren», sagt François Geinoz. 

Die Philanthropie hat auch in der Schweiz in den vergangenen Jahren eine Professionalisierung erfahren. So erscheint zum Beispiel jährlich ein Schweizer Stiftungsreport, der Zahlen und Fakten über den Schweizer Stiftungssektor veröffentlicht. Das führt zu Transparenz und entsprechenden Bewertungen. «Unsere Priorität sind nach wie vor Bildungsprojekte, bei denen wir mit lokalen Partnern zusammenarbeiten. Natürlich sind dabei die christlichen Werte unsere Leitplanken», erklärt François Geinoz. Im heutigen Kontext stehen sie für Menschenwürde, Menschenrechte, Anteilnahme, Solidarität und Gerechtigkeit. Beatrice Thelen, zuständig für Kommunikation und Projekte, betont, dass dabei vor allem an die Frauen gedacht werde. «Durchschnittlich 56 Prozent der Begünstigten unserer Projekte sind Frauen.» Das ist im Vergleich zu anderen humanitären Organisationen eine besondere Leistung. Die Limmat Stiftung diversifiziere immer mehr, sie sei nicht als eine Art Hilfswerk des Opus Dei zu sehen, sagt Geinoz weiter. «Gute Erziehungs- und Sozialprojekte, die von Mitgliedern des Opus Dei durchgeführt werden, unterstützen wir auch heute gerne, sofern es dem Willen unserer Geldgeber entspricht.»

Share This