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Auf den 22. Juli fällt das Fest der heiligen Maria Magdalena. Papst Franziskus hat den Gedenktag von Maria Magdalena zu einem Festtag erhoben. Er hat sie offiziell Apostolin der Apostel genannt. Eine sehr späte Anerkennung der Bedeutung dieser Frau für unseren Glauben an die Auferstehung. Es waren bekanntlich nicht etwa die Apostel, die als Erste eine Begegnung mit dem Auferstandenen hatten und zum Glauben kamen – im Gegenteil. Der Evangelist Johannes berichtet – es ist das Evangelium der Osternacht –, dass Maria Magdalena mit anderen Frauen zum Grab kam und es leer vorfand. Die Lichtgestalten rufen ihnen die Predigt Jesu in Erinnerung und es sind diese Frauen, denen es dämmert. Sie gehen zu den Aposteln und berichten ihnen von ihrer Glaubenserfahrung und -erkenntnis. Die Apostel aber halten das für Geschwätz. 

Weiter erfahren wir aus dem Johannesevangelium, dass Maria Magdalena weinend das leere Grab bewacht, während sich die Apostel aus Furcht verstecken und verschliessen. Maria Magdalena aber bleibt dabei. Und während sie wartet und trauert, kommt es zur geheimnisvollen, entscheidenden Begegnung mit dem Auferstandenen und ihre Beziehung zu Jesus erfährt im Glauben an den Auferstandenen eine ganz neue, lebensweckende Qualität. 

Dabeibleiben! Das ist das Markenzeichen dieser grossartigen Frau, von der wir zwar nicht viel, aber das Wichtigste wissen. Unterm Kreuz, bei der Grablegung bis zur Begegnung mit dem Auferstandenen ist ihr Vertrauen, das sie in Jesus setzt, als sie ihm nachfolgt, zum Glauben an den auferstandenen Christus gewachsen. Die anderen sind weggelaufen, haben sich versteckt, erinnerten sich nicht mehr an die Worte Jesu und konnten das Ganze nicht verstehen. Sie aber hält die Spannung aus, die auch uns bisweilen zwischen Sehen und Glauben fast zerreisst. 

Papst Franziskus hat den Titel, den er Maria Magdalena an diesem Festtag zuordnet, nicht erfunden. Bereits Hippolyt nennt sie im 3. Jahrhundert «apostola apostolorum», Apostolin der Apostel. Dass ihre Bedeutung im Laufe der Kirchengeschichte zurückgedrängt und ihr nur noch die Rolle einer «Pfarrhaushälterin» zugedacht wurde, hat wohl auch mit geistlichem Machtmissbrauch zu tun. 

Die Gestalt Maria Magdalena wirft ein Licht auf die aktuelle Frage nach der Bedeutung der Frau in der Kirche. Wir stehen zwar noch am Anfang eines neuen Verständnisses von Kirche. Ängste um Machtverlust, um Traditionsverlust, um Glaubensverlust hemmen eine so notwendige Entfaltung des Evangeliums in die Zukunft hinein. Um was es geht, haben die Lichtgestalten am Ostermorgen Maria Magdalena mitgeteilt: «Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war» − und Maria Magdalena erinnert sich und wird zur Apostolin. Gedächtnis und Glauben hängen eng zusammen.

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