Städtische Begrünungsprojekte, auch wenn sie noch so klein sind, können nicht nur das Erscheinungsbild in kürzester Zeit begünstigen, sondern auch den Lebensraum lebendiger machen. Denn wo Pflanzen wachsen, kehren Insekten zurück, wie ein Projekt in Melbourne zeigt.

Carl Meissen

 

Forscher untersuchten ein kleines Stück Land zwischen den Gebäuden und Strassen der australischen Stadt Melbourne nach Leben. Ursprünglich enthielt dieses Grundstück nur etwas Rasen, Unkraut und zwei Eukalyptuspflanzen. Doch mit einem kleinen Eingriff veränderte sich die fast tote Insel. Unkraut wurde entfernt, gute Erde aufgetragen und Dünger zugefügt. Gesetzt wurden zwölf einheimische Pflanzen, die keine besonderen Ansprüche an die Pflege stellen. Nach dieser Begrünung kümmerten sich die Forscher weiterhin um die kleine grüne Insel, indem sie zum Beispiel das Unkraut beseitigten. In den folgenden drei Jahren beobachteten sie nicht nur den Gesundheitszustand der Pflanzen, sondern auch die Anwesenheit von Insekten am Standort. Dabei stellten sie fest, dass die neue Vegetation innerhalb kürzester Zeit die Insektengemeinschaft bereichert hatte. Nach drei Jahren war sie etwa siebenmal so gross wie zuvor, wodurch sich auch die Interaktionen mit den Pflanzen selbst vervielfachten – nicht nur durch die Begünstigung von Pflanzenfressern, sondern auch durch die Unterstützung derjenigen, die Pflanzen als Unterschlupf oder zur Fortpflanzung nutzen.
Die Insektenpopulationen auf der ganzen Welt gehen aufgrund von Klima- und Umweltveränderungen, die durch menschliche Aktivitäten verursacht werden, um ein bis zwei Prozent pro Jahr zurück. Das Projekt von Melbourne zeigt, dass selbst in stark verstädterten Gebieten mit Investitionen in kleine Begrünungsmassnahmen grosse ökologische Veränderungen erzielt werden können. Sie bringen einheimische Insektenarten in städtische Gebiete zurück, in denen sie selten geworden oder sogar ausgerottet worden sind. Fazit: Die verursachten Schäden sind vielleicht reparierbar.