Er möchte ein guter Hirte als Weihbischof werden, nahe bei den Sorgen und Nöten der Menschen! So benannte der 61-jährige Pfarrer von Baden am Dienstag, den 20. Dezember 2022 sein Ziel – jener Tag, an dem ihn Papst Franziskus als Weihbischof für das Bistum Basel bestätigt und eingesetzt hat. Nun wird er am 26. Februar in der Kathedrale Solothurn geweiht. Das Motto des neuen Weihbischofs lautet: «Hoffnung leben».

Stephan Leimgruber

Gut gelaunt und in moderner dunkelgrauer Kleidung mit Priesterkreuz am Revers trat er vor die Medien, um die neugierigen Fragen in einer ersten Runde zu beantworten. Den Frauen wolle er auf ihrem Vormarsch in die Ämter der Kirche nicht im Wege stehen und einem Priester, der die grosse Liebe gefunden habe, wünsche er viel Glück. Sein Zauberwort heisse «vox populi = vox Dei»: Die Stimme des Volkes sei die Stimme Gottes. Wie es der Synodale Prozess will, der in der katholischen Kirche derzeit in Gang ist, so möchte der Erwählte ganz Ohr sein bei den Gläubigen.
Geboren 1961 in Luzern, aufgewachsen im Bauerndorf Dietwil, besuchte er das Gymnasium bei der Missionsgesellschaft der Immenseer Patres und erhielt bereits früh eine weltweite Perspektive. Er studierte Philosophie und Theologie an der Theologischen Fakultät Luzern. Besonders interessierte ihn die Kirchengeschichte bei Professor Manfred Weitlauff. Die Auslandssemester verbrachte er an der LMU in München mit Wohnsitz bei den Mariastern-Schwestern. 1988 empfing Stübi die Priesterweihe aus der Hand von Bischof Otto Wüst, dem er später eine ausführliche Würdigung widmete (Buch: Die Bischöfe von Basel). Josef Stübi machte die ersten pastoralen Erfahrungen und lernte das seelsorgerliche «Handwerk» beim Windischer Pfarrer Eugen Vogel, nach dessen Pensionierung er auch die Vakanz überbrückte. Eine zweite Stelle übernahm er als Pfarrer von Hochdorf im Kanton Luzern. Dann folgte er dem Ruf als Stadtpfarrer nach Baden, wo er 2013 auch Domherr des Kantons Aargau wurde. Schliesslich fungierte Stübi als Pastoralraumleiter der Region Baden.
Der neue bescheidene Weibischof, dem es nicht an Humor fehlt, wird am 26. Februar 2023 in der Kathedrale Solothurn das Sakrament der Bischofsweihe empfangen. Er weiss sich guter lebendiger katholischer Tradition verpflichtet und ist durchaus offen für neue Schritte einer zukunftsgerichteten Kirche von Basel. Dabei schreckt er nicht vor Neuerungen und anderen Meinungen zurück, die es nun mal auch in der pluralen Kirche von heute gibt, und bisweilen kann er seine Ansichten hartnäckig vertreten.
Zu seinen Aufgaben werden primär die Verkündigung und das Zeugnis der Frohbotschaft Gottes in Wort und Tat gehören. Besonders dürfte ihm die Sorge um den Nachwuchs für den kirchlichen Dienst am Herzen liegen. Ein weiteres grosses Feld sind die Begleitung der muttersprachlichen (ausländischen) Seelsorger und deren Probleme mit der Inkulturation und der Sprache. Josef Stübi wird sich prioritär um die Jugend kümmern. Bereits in gutem Einvernehmen steht er mit den Ordensleuten. Seine interreligiösen Zugänge hat er für Juden und Muslime unter Beweis gestellt, und mit Bruder Klaus ist er befreundet. Schön, dass er zur anspruchsvollen vielfältigen Aufgabe Ja gesagt hat, eine Aufgabe, die zwar sein Privatleben minimiert, dafür durch Begegnungen mit Menschen vieler Generationen und Kulturen bereichert.

Die Bischofsweihe

Eine Bischofsweihe ist nur selten zu sehen. Die symbolischen Gesten haben eine tiefe Bedeutung, insbesondere das über dem Haupt gehaltene Evangeliar beim Weihegebet. Die Anwesenheit der drei Hauptkonsekratoren (an erster Stelle Diözesanbischof Felix Gmür sowie mehrere Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz) macht deutlich, dass die Bischofsweihe auch die Aufnahme des Kandidaten ins Bischofskollegium darstellt.
Die Weihe im engeren Sinne ist in die Eucharistiefeier eingebettet und geschieht nach der Predigt. Sie beginnt mit der Befragung des Kandidaten, ob er bereit sei, seine hirtlichen Aufgaben der Verkündigung des Wortes Gottes, der Wahrung des überlieferten Glaubensschatzes der Kirche, des Einsatzes für Einheit und des Aufbaus der Kirche sowie der Diakonie nach bestem Wissen und Gewissen wahrzunehmen. Auf die Frage, ob er zur untadeligen Amtsführung und zum unablässigen Gebet bereit sei, antwortet er: «Mit Gottes Hilfe bin ich bereit.»
Es folgt die Allerheiligenlitanei, in der die Fürsprache aller Heiligen und der Segen Gottes erfleht werden.
Zentrum der Bischofsweihe ist das Weihegebet – die Anrufung des Heiligen Geistes – unter der symbolischen Geste der (bis auf die Apostel zurückgehenden) Handauflegung durch die drei Hauptzelebranten. Während dieser Handlung kniet der Kandidat und zwei Diakone halten das geöffnete Evangeliar über seinem Haupt. Diese symbolstarke Geste signalisiert, dass alles Tun und Lassen des Kandidaten dem Evangelium unterstellt sind.
Es folgt die Salbung des Hauptes des Neugeweihten als Zeichen der Vermittlung des Heiligen Geistes in Erinnerung an die Salbung der Könige unter der Formel: «Gott salbe dich mit der Kraft des Heiligen Geistes und mache dein Wirken fruchtbar durch die Fülle seines Segens.»
Anschliessend werden die Insignien des bischöflichen Dienstes überreicht: das Evangeliar zur Verkündigung des Wortes Gottes in Geduld und Weisheit; der Ring als Zeichen der unverbrüchlichen Treue in Analogie zu Jesus Christus, dem die Kirche als «Braut Christi» anvertraut ist; eine Stola, die über die Schultern gelegt wird. Sie ist ein Zeichen der Liebe und der Einheit der Kirche; die Mitra als Zeichen des Bischofsamtes und der Bischofsstab oder Hirtenstab, der die Sorge für die ganze «Herde» des Volkes Gottes symbolisiert.
Schliesslich führt der Hauptzelebrant den Neugeweihten zu seinem Platz neben dem Bischofssitz. Denn er ist zur selbstverständlichen Solidarität mit dem Bischof verpflichtet. Nach dem Friedensgruss durch Umarmung findet die Eucharistiefeier ihre Fortsetzung.