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Es war auf der Podiumsdiskussion unseres Eco Summer Camp in diesem August, das über 50 junge Erwachsene aus Europa zu uns ins Lassalle-Haus geführt hatte. Nadine, aus Belgien, brachte es mit ihrer Frage auf den Punkt: Was die Klima- und Biodiversitätskrise angeht, so wüssten wir nun doch seit vielen Jahrzehnten um diese Krise und würden dennoch weder schnell noch entschieden genug handeln, um unsere Zukunft und die Zukunft ihrer Generation zu schützen. Woran das denn liege? 

Wenn ich unseren Referentinnen und Referenten richtig zugehört habe, dann sind es einmal sozial-psychologische Faktoren: Menschen ändern ihr Verhalten eher in der unmittelbaren Einwirkung von Klima-Veränderungen, und da sind wir in Europa noch relativ geschützt. Auch fällt es den Einzelnen nicht leicht, sich für das Gemeinwohl zu engagieren. Wir leben in einer sehr individualisierten Gesellschaft. Dann sind es auch handfeste wirtschaftliche Gründe: Die grössten Banken haben immer noch in fossile Energie investiert, auch wenn sich dies langsam ändert. Schliesslich: Wir Menschen haben schlicht und ergreifend Angst. Angst, etwas zu verlieren, Angst, uns verändern zu müssen. Nur: Wenn wir uns nicht verändern, werden wir noch mehr verlieren.  

Diesem Thema der Angst geht Martin Kolmar, Wirtschaftsethiker an der Hochschule St. Gallen, nach. Für ihn liegt der Schlüssel in unseren zugrunde liegenden Weltbildern. Wie können wir angesichts dieser Krise und in dieser Krise zu einem guten und gelingenden Leben finden?  

Kolmar findet Antworten in den religiösen Traditionen, aber vor allem in Literatur und Kunst. Es sind Antworten auf unsere Sinnfragen. Antworten, die wir nicht einfach kognitiv begreifen können. Es geht um Erfahrungen, um Grenz- und Entgrenzungserfahrungen, die uns unser Weltbild und dann auch unser Verhalten ändern lassen.   

Aus den verschiedenen religiösen Traditionen nimmt Kolmar das Narrativ der Heldenreisen. Die sogenannten Heldinnen und Helden machen Grenzerfahrungen, die zugleich erschrecken und faszinieren. In der biblischen Tradition sind es die Patriarchengeschichten, wie Abraham oder Jakob. Und natürlich das Schicksal Jesu. Und Kolmar beobachtet, dass es immer um eine Erfahrung eines Tremendum und Faszinosum geht. Wenn die Menschen nur Erfahrungen des Schreckens machen und in Angst verharren, werden sie sich nicht bewegen. Wir müssen ihnen auch die Erfahrung des Faszinosum ermöglichen. Das kennen wir aus Krankheitsgeschichten. Eine existenzielle Bedrohung kann in einen grösseren Sinnzusammenhang eingebunden werden.  

Im Lassalle-Haus wären dies die Erfahrung von innerer Freiheit und innerem Frieden auf den östlichen Wegen oder die Erfahrung einer eigenen «Heldenreise», wie die ignatianischen Exerzitien, die uns mit unserer Unzulänglichkeit konfrontieren, die uns aber auch Wege des gelingenden Lebens aufzeigen. Diese spirituellen Erfahrungen können uns helfen, loszulassen und ein persönliches ökologisches Selbst zu entwickeln. 

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