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Es sind ein paar Wochen her, dass ich in meiner Bibellektüre auf diese Begriffe stiess. Jesus trifft am Sabbat in der Synagoge einen Mann mit einer verdorrten Hand (Mk 3,1-6). Und obwohl es am Sabbat nach den gängigen religiösen Vorschriften nicht erlaubt ist, heilt er die Hand des Mannes. Spontan erfüllt uns diese Heilung mit Freude.

Doch der Text selbst spricht kaum von Freude, wohl aber von Zorn und Trauer, und zwar bei Jesus. Genau besehen geht es zunächst nicht um den geheilten Mann, sondern Jesus gerät in den Mittelpunkt. Er hat sich die Freiheit genommen, ein religiöses Gesetz zu übertreten. Und dies unter den Augen derer, die ihn zu überführen suchen. Jesus kennt sie und weiss um ihre Anwesenheit. Er schaute sie alle an – voll Trauer und Zorn –, so lesen wir es. Dann heilte er den Mann.

Ein zorniger Jesus? Das übersehen wir gerne, denn wir hätten ihn lieber sanft, mitleidsvoll, gütig. So wird ihn auch der Mann mit der verdorrten Hand erfahren haben. Jene aber, die Jesus argwöhnisch in seinem Tun beobachten, die Schriftgelehrten, sie erregen seinen Zorn. Denn für sie steht die Einhaltung eines Gesetzes an erster Stelle, nicht die Befreiung eines Menschen von seinem Leiden. Das ist die Ursache des Zornes Jesu. Er lässt seinem Zorn keinen freien Lauf wie in der Tempelreinigung (Joh 2,13-22), sondern er fällt in Trauer. Jesus weiss, dass er das verbissene Denken dieser Männer nicht verändern kann.

Wenn Zorn und Empörung ins Leere stossen, dann folgt der Sturz in die Gefühle von Trauer und Ohnmacht.

Geht es uns nicht ähnlich in diesen Tagen und Wochen?

Wir sind in unserer Kirche konfrontiert mit Skandalen und Lügen, mit Scheinheiligkeit, mit Verschleierung von bösen Tatsachen und mit dem Schweigen von Verantwortungsträgern. Wer von uns soll da nicht in höchste Empörung geraten, in tiefste Trauer stürzen und sich dann in Gefühlen der Ohnmacht wiederfinden?

Doch vergessen wir nicht: Genau da wird Jesus sich zu uns gesellen. Da ist er mit uns auf dem Weg durch unsere (Kirchen-)Zeit. Er will sicher nicht das Wiedererstehen einer mächtigen und triumphalistischen Kirche. Er will als Erstes unser Auferstehen aus der Niedergeschlagenheit. Vielen von uns sind die Hände verdorrt, weil wir sie in ihren vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten nicht brauchen durften. Jesus wird sie heilen, wenn wir neu zupacken möchten für das Werden einer anderen Kirche, die – wie Jesus – alle Menschen unterschiedslos willkommen heisst.

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