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Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu, die Ferien sind vorbei – jedenfalls für die meisten von uns. Ich habe sie noch vor mir. Im September geht es für mich in die Berge. Als ich mir einige Reiseprospekte von verschiedenen Urlaubsorten in Europa und der Welt anschaute, fiel mir auf, dass wohl zumindest für die Reiseveranstalter die meisten der Urlaubsorte Paradiese sind: paradiesische Strände in der Karibik, Wohnen wie im Paradies, paradiesisches Essen im Zwölf-Sterne-Hotel usw. 

Scheinbar ruft das Wort Paradies in uns Menschen Assoziationen hervor, die uns von Glück, Frieden, Harmonie, Überfluss und Freiheit träumen lassen. Aber woher stammen diese Assoziationen eigentlich? Und woher wissen wir, dass es so im Paradies gewesen ist oder einmal sein wird?  

Wenn man in die Bibel schaut, dann ist das Paradies ein Ort, ein Garten, in den Gott die ersten Menschen gesetzt hat. Das Charakteristische an diesem Ort ist aber gerade nicht das gute Essen (die ersten Menschen waren wohl Vegetarier und assen von den Früchten der Bäume) oder die tolle Aussicht, sondern die besondere und einzigartige Weise des Sein-Könnens des Menschen. Hier im Paradies kann er sein, wie er ist, wie Gott ihn geschaffen hat: «Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander» (Gen 2,25). Der Mensch ist in einer einmalig vertrauten Beziehung zum anderen Geschlecht – und zu Gott. Er kann Gott auf Augenhöhe begegnen und mit ihm sprechen, wie mit einem Freund. Es besteht Harmonie zwischen den Menschen untereinander und zwischen den Menschen und Gott. Das ist das Paradies.  

Mit dem Sündenfall wird genau das zerstört: Die Menschen schämen sich auf einmal voreinander, sie schämen sich ihrer Nacktheit, sie schämen sich, so zu sein, wie Gott sie geschaffen hat – und sie haben plötzlich Angst vor Gott. «Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich», sagt Adam zu Gott, als der ihn bei seinem Abendspaziergang sucht.  

Unsere Sehnsucht nach dem Paradies ist vielleicht genau dies: die Sehnsucht danach, sein zu können, wie wir sind – voreinander und vor Gott. Vielleicht konnten Sie das in Ihrem Urlaub ja erleben. Dann waren Sie wohl im Paradies. 

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