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Der Blick zurück ermöglicht nicht nur eine Bilanz, sondern kann sich auch als Quelle für Zuversicht erweisen. Sechs Ereignisse aus dem Jahr 2022, die geprägt haben oder deren Ausgang noch in der Zukunft liegt. 

Martin Ötker 

An der Versammlung zur diözesanen Phase des von Papst Franziskus angeregten synodalen Prozesses wurde beschlossen, dass aus der Versammlung direkt eine «Arbeitsgruppe synodaler Prozess» im Bistum Chur gebildet wird, die Grundlagen für eine weitere diözesane Versammlung verschiedener Räte erarbeiten soll. Am 25. Oktober trafen sich 60 Delegierte verschiedener Beratungsgremien, vom Priesterrat über den Jugendrat bis zum Seelsorgerat, in Einsiedeln zu einer Tagung, um den synodalen Prozess im Bistum Chur weiterzuentwickeln. Als Diskussionsgrundlage dienten die Online-Umfrage zum synodalen Prozess Schweiz sowie die neu fokussierten zehn Themenfelder des diözesanen Schlussberichts vom 16. März. 

Anlässlich dessen wurde zum Thema Repräsentativität der Ergebnisse nachgefragt. Ein solches Verfahren würde den ganzen Prozess an den Anfang zurückversetzen, wendete Bischof Bonnemain ein, der ebenfalls an der Tagung teilnahm. Das wolle er nicht. Er wolle lieber vorwärtsmachen. Ausserdem gehe es hier nicht um Repräsentativität, «sondern darum, die Stimme der Gläubigen zu erfassen, sofern sie bereit seien, sich zu äussern. «Wir wären glücklich gewesen, wenn sich alle beteiligt hätten», sagte der Bischof. Parallel zum weltkirchlichen geht die Entwicklung des synodalen Prozesses im Bistum Chur weiter.  

175 Jahre Bistum St. Gallen
In der Diözese St. Gallen gab es in diesem Jahr etwas zu feiern: 175 Jahre Bistum St. Gallen. Gegründet wurde das Bistum am 8. April 1847 aus Teilen des damaligen Bistums Konstanz und des Bistums Chur. Damit ist es im Vergleich mit anderen Schweizer Diözesen noch ziemlich jung. Anlässlich dieses Jubiläums schrieb Bischof Markus Büchel: «Als katholische Kirche in St. Gallen und beider Appenzell erinnern wir uns im Jubiläumsjahr an unsere Wurzeln und schöpfen durch das gemeinsame Feiern Kraft, damit Bewährtes und Neues weiter wachsen können.» Aus diesem Anlass gab es verschiedene Aktionen und Feierlichkeiten, zum Beispiel einen Pilgerweg zu allen 33 Seelsorgeeinheiten, eine Festakademie am Gründungstag des Bistums, einen Festgottesdienst sowie Anlässe für Jugendliche und junge Erwachsene. «Das Jubiläum im Jahre 2022 ist ein guter Anlass zurückzuschauen, woher wir kommen, und zu reflektieren, was unsere Aufgabe ist – in der heutigen Welt glaubwürdig und in Gemeinschaft das kirchliche Leben zu gestalten», erklärte Bischof Büchel. 

Hinschied von Ivo Fürer, emeritierter Bischof von St. Gallen
Nach längerer Krankheit verstarb im Juli 2022 Ivo Fürer (1930–2022). Er war von 1995 bis 2006 Bischof von St. Gallen. Nach seiner Priesterweihe 1954 ging er zum Studium des Kirchenrechts nach Rom und wurde 1958 mit einer vermögensrechtlichen Arbeit an der Päpstlichen Universität Gregoriana promoviert. Nach einigen Jahren in der Seelsorge wurde er 1969 Bischofsvikar in St. Gallen und war von 1977 bis zu seiner Wahl zum Bischof Generalsekretär des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen, der seinen Sitz auch in St. Gallen hat. Für sein Engagement zur praktischen Umsetzung der Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils in seinem Bistum, in der Schweiz sowie in Europa wurde ihm 2005 die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg verliehen. Zu einer Zeit, als das Thema Missbrauch durch Kleriker noch unter Verschluss gehalten wurde, hat Bischof Ivo nach einem Missbrauchsfall in seinem Bistum im Jahre 2002 das Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe in der Seelsorge gegründet. 

Bischof Valerio Lazzeri ist zurückgetreten
Überraschend trat im Oktober 2022 der Bischof von Lugano, Valerio Lazzeri, mit 59 Jahren zurück, nachdem Papst Franziskus sein Rücktrittsgesuch angenommen hatte. Seit 2013 war er Bischof von Lugano. Normalerweise bitten Bischöfe den Papst im Jahr ihres 75. Geburtstags um die Entpflichtung von ihren Aufgaben. Geschieht das früher, hat der Betreffende wichtige Gründe dafür. Bischof Lazzeri sprach bei einer Pressekonferenz offen über seine Gründe: Er habe sein Amt immer mit Freude und von Herzen ausgeübt, so Lazzeri. Besonders die Verkündigung des Evangeliums, die Feier der Sakramente und die Begegnung mit Menschen hätten ihm gefallen. Aber «Aufrichtigkeit und völlige Transparenz zwingen mich, Ihnen zu sagen, dass vor allem in den letzten zwei Jahren eine innere Müdigkeit in mir gewachsen ist, die mir nach und nach den Schwung und die Gelassenheit genommen hat, die für die Leitung der Kirche von Lugano erforderlich sind.» Vor allem das Stehen in der Öffentlichkeit, Repräsentationen und der Umgang mit Finanzen und Verwaltung seien für ihn unerträglich geworden, sagte er. 

Valerio Lazzeri stammt aus dem Tessin. Nach dem Studium in Lugano und Fribourg erwarb er 1991 in Rom den theologischen Doktorgrad mit einer Arbeit über Spiritualität. Danach blieb er zunächst in Rom und arbeitete bei der Kongregation für das katholische Bildungswesen; ab 1999 war er Dozent in Lugano, Bischofsvikar und Spiritual im Priesterseminar, bevor er 2013 Bischof wurde. 

Ab dem 10. Oktober 2022 ist Alain de Raemy, Weihbischof im Bistum Fribourg, Lausanne und Genf, Apostolischer Administrator des Bistums Lugano, der bis zur Ernennung eines neuen Bischofs im Amt bleibt. 

Bischof Felix Gmür wurde zum Vorsitzenden des Rates der Religionen gewählt
Der Bischof von Basel, Felix Gmür, wurde im November 2022 zum Vorsitzenden des Schweizerischen Rates der Religionen mit Sitz in Bern gewählt. Seine Amtszeit dauert zwei Jahre. Damit tritt Bischof Felix die Nachfolge von Dr. Harald Rein, Bischof der christkatholischen Kirche der Schweiz, an, der nach fünfjähriger Tätigkeit zurücktrat. 

Der Schweizerische Rat der Religionen wurde 2006 zum Erhalt des religiösen Friedens und zur Förderung des interreligiösen Dialogs in der Schweiz gegründet. Gegenwärtig setzt sich der Rat aus acht leitenden Persönlichkeiten verschiedener Religionen zusammen. Das sind vier der christlichen Konfessionen, der Juden, Muslime und andere. Der Rat der Religionen erfüllt eine wichtige Integrationsfunktion und steht im regelmässigen Kontakt mit der Landesregierung. 

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