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«Einfach himmlisch», sagte neulich meine Bekannte, als wir zusammen im Restaurant waren und sie den ersten Bissen ihres Essens zu sich genommen und die Augen vor lauter Genuss geschlossen hatte.

Ich habe in einem anderen Zusammenhang an diese kurze Szene denken müssen. «Himmlisch» oder «paradiesisch», «wie im Himmel» oder «Das ist der Himmel auf Erden» sind Redewendungen, die wir ab und an gebrauchen. Dabei ist doch bisher noch niemand von uns im Himmel/Paradies gewesen, um sagen zu können, wie es dort sei. Das Wort «Himmel» in der Bibel meint im übertragenen Sinne den Wohnort Gottes. Dort, wo Gott ist, da ist der Himmel. Und dieser Himmel, dieser Ort der direkten Begegnung mit Gott, ist laut dem Buch Genesis seit jenem Tag verschlossen, als Adam und Eva von dort vertrieben wurden.

Als Jesus bei seiner Taufe in den Jordan steigt, heisst es: «Und während er betete,
öffnete sich der Himmel … und eine Stimme sprach: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.»

Ich finde, der «geöffnete Himmel» ist ein sehr schönes Bild für meine Beziehung zu Gott. Seit Jesus auf unsere Erde kam, für uns lebte, litt, starb und auferstand, ist der Himmel – ist der Zugang zu Gott offen und bleibt offen. Ich kann mich jederzeit an Gott wenden, ich weiss, dass nichts mehr diese Himmelstür schliessen kann.

Als ich als junge Ordensschwester in einem Kindergarten für geistig und körperlich behinderte Kinder arbeitete, hatte ein kleiner Junge einen Narren an mir gefressen. Wo ich ging und stand, folgte er mir. Und wenn ich mich setzte, kletterte er auf meinen Schoss, griff nach meinem Kreuz und spielte damit. Er konnte nicht viel sprechen, meist waren es nur einzelne Worte. Aber dann, eines Tages, während er wieder auf meinem Schoss sitzend das Kreuz anschaute, sagte er zwei Worte: «Schlüssel. Himmel.» Ich kann nicht sagen, was in seinem kleinen Kopf vor sich gegangen ist. Mich haben diese zwei Worte aber regelrecht vom Stuhl gehauen. Ja, das Kreuz Jesu ist der Schlüssel zum Himmel. Jesus hat mit diesem Schlüssel den Himmel für uns aufgeschlossen.

Als er selbst nach seiner Auferstehung in den Himmel zurückkehrte und die ersten Apostel ihr Wirken begannen, trat Stephanus auf, ein Diakon. Er wurde gesteinigt, und im Augenblick seines Sterbens rief er: «Ich sehe den Himmel offen und Jesus zur Rechten Gottes sitzen.»

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen und mir solche Momente mitten in unserem Alltag, in denen wir den geöffneten Himmel erfahren können. Vielleicht reicht es dazu schon, wenn wir ein Kreuz anschauen und mit Jesus in Kontakt treten: Das ist dann «einfach himmlisch».

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