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Seuchen, Kriege, Umweltkatastrophen sind uns nicht unbekannt, wir kennen dies nur zu gut aus den Medien und den Nachrichten. Was wir darüber jahrzehntelang aus anderen Weltregionen und Ländern gehört haben, ist in der vergangenen Zeit vor unsere eigene Haustüre gerückt. Die Coronapandemie taucht auf; kaum ist diese etwas abgeflacht, beginnt der Krieg in der Ukraine mit mehr und mehr einschneidenden Folgen auch für uns. Und in diesem Sommer bekommen wir in der wasserreichen Schweiz auch den Klimawandel mit Hitze und Trockenheit hautnah zu spüren. Eine geballte Ladung von Problemen. Was soll da der Mensch dagegen tun? Was kann der gläubige Mensch da tun? Der gläubige Mensch schlechthin ist in der Bibel Abraham. Ganz am Anfang der Geschichte Gottes mit Abraham, bei seiner Berufung, spricht Gott dieses Wort zu ihm: «Ein Segen sollst du sein» und weiter: «Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.» Was für eine wunderbare Berufung, die mit Abraham beginnt und bis zu uns fortdauert.  

Dass dieses Einander-zum-Segen-Werden nicht immer so klar, eindeutig und unverkrampft ist, zeigt diese chassidische Geschichte:  

Ein Rabbi traf auf seiner Wanderschaft auf einen Heuwagen, der umgestürzt war. Der Bauer, der daneben stand, rief ihm zu: «Hilf mir den Wagen aufrichten.» Der Rabbi entgegnete: «Ich kann nicht.» Darauf der Bauer: «Du kannst, aber du willst nicht.» Das fuhr dem Rabbi ins Herz. Er griff mit an, bis der Wagen stand und die Ochsen wieder anzogen. Dann fragte er den Bauern: «Wie kam dir in den Sinn, dass ich nicht will?» Der Bauer: «Weil du gesagt hast, ich kann nicht. Niemand weiss, ob er etwas kann, eh er es versucht hat.» Der Rabbi: «Aber wie kam dir in den Sinn, dass ich kann?» Der Bauer: «Ach Bruder, was bist du für ein lästiger Frager! Nun gut, es kam mir in den Sinn, weil man dich mir in den Weg geschickt hat.» «Meinst du etwa gar», fragte der Rabbi darauf, «dein Wagen sei umgestürzt, damit ich dir helfen könne?» «Was denn sonst, Bruder», sagte der Bauer.  

Diese kleine Geschichte ist nicht die Erklärung für das Unglück und das Böse in der Welt. Vielmehr zeigt sie, wie wir Menschen uns zum Unglück verhalten können, wie wir trotz des Bösen zum Segen berufen sind.  

Menschliches Leben ist nie frei von Unglück. Dass ich darin das tue, wozu ich im Tiefsten berufen bin – ein Segen sein, dem anderen zu Hilfe kommen –, das ist der grosse Kontrapunkt zu all den riesigen Problemen, die da sind. Oft genug wird dies keine weltbewegende Tat sein. Von Gott her jedoch ist es klar, in der Situation, in der ich stehe, zu der Zeit, die gerade ist, da kann ich ein Segen sein – wenn ich es will.

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