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«In dieser Welt ist die Kirche nicht Selbstzweck, sie dient allen Menschen», stellte Giovanni Battista Montini einmal klar, bekannt als Papst Paul VI. Er regierte von 1963 bis 1978, er war der erste «Reisepapst» des 20. Jahrhunderts und jener, der die Tiara, die dreifache Papstkrone, für immer ablegte. Seine Sensibilität für die Probleme der Dritten Welt wurde in der öffentlichen Wahrnehmung zusehends überlagert vom Unmut über so unpopuläre Akzentsetzungen wie die «Pillenenzyklika».

Unter nordamerikanischen, belgischen, niederländischen, deutschen Katholiken, sogar unter ihren Bischofskonferenzen löste das päpstliche Nein zur «künstlichen» Empfängnisverhütung damals einen Aufstand aus. Gegen das eindeutige Votum einer schon von seinem Vorgänger Johannes XXIII. eingesetzten Studienkommission, aber in vollem Einklang mit einer Denkschrift des Krakauer Kardinals Karol Wojtyła, des späteren Papstes Johannes Paul II., begründete Paul VI. sein Verbot nicht zuletzt damit, dass die neuen Möglichkeiten die Frau zu einem stets verfügbaren Objekt männlicher Lust degradieren würden.

Papst Franziskus, der sich Paul VI. immer schon sehr verbunden fühlte und ihn 2018 heiliggesprochen hat, schätzt dessen Mut, nicht mit dem Mainstream zu schwimmen. «Seine Genialität war prophetisch, er hatte den Mut, sich gegen die Mehrheit zu stellen, die moralische Disziplin zu verteidigen, eine kulturelle Bremse zu ziehen», sagte Franziskus einmal in einem Interview mit dem «Corriere della Sera».

Am 21. Juni 1963 war der Mailänder Erzbischof Giovanni Battista Montini zum Nachfolger des guten Papstes Johannes XXIII. gewählt worden, im fünften Wahlgang. Er nannte sich Paul VI., und man wusste, dass er den Reformkurs des Vorgängers fortsetzen und das Zweite Vatikanische Konzil in seinem Geist weiterführen würde. In der Tat: Während Traditionalisten im Vatikan von einer Bischofsversammlung träumten, die schnell über die Bühne gehen und die von den Kurienbehörden vorbereiteten Texte ratifizieren würde, stellten Montini und seine eher «liberalen» Freunde die Weichen für einen langwierigen Dialogprozess.

In seiner aufsehenerregenden Rede zur Konzilseröffnung hatte Johannes XXIII. von den ewigen Pessimisten gesprochen, die ständig über die schlechter werdenden Zeiten klagen würden. «Un balzo», einen Sprung, werde die Kirche machen müssen, um vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Herausforderungen zu einem vertieften Glaubensverständnis zu gelangen. Giovanni Battista Montini wurde am 26. September vor 125 Jahren geboren.

von Christian Feldmann

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