Kundendienst: Tel. 056 203 22 00 kundendienst@diemedienag.ch

In diesem Advent wird uns am Samstag, dem 17. Dezember in der Messe das Evangelium vom Stammbaum Jesu (Mt 1,1-17) vorgelesen, sofern die Messe stattfindet. Dabei hätten wir in den Frauenklöstern jeden Tag der heiligen Messe beizuwohnen. So wollte es die Kirche. Nun, das Wollen der Kirche in dieser Sache geht in den luftleeren Raum. Priestermangel! Aber es kann sein, dass an diesem Samstagmorgen eine Schwester trotzdem in den Laudes das Evangelium des Tages vorlesen wird. In diesem Fall muss sie unbedingt vorher den Text anschauen, denn sonst wird sie stolpern über die lange Liste unbekannter Männernamen, die kaum etwas anderes aussagen als wer wen gezeugt hat, angefangen bei Abraham bis zur Geburt Jesu.

Die kritisch zuhörende Klosterfrau beginnt sich zu fragen, ob das nun wirklich eine lückenlose Aufzählung von Zeugenden ist und wo die Frauen geblieben sind, die für das Gebären zuständig waren. Jetzt wird es interessant! Aber nur, wenn man dem Stammbaum auf den Grund geht!

Abraham zeugt Isaak, Isaak zeugt Jakob. Unter dessen zahlreichen Söhnen gibt es den auserwählten Segensträger Juda. Nach dem Verlust seiner Frau zeugt Juda mit seiner von ihm selbst verstossenen Schwiegertochter Tamar (Gen 38) die Zwillingsbrüder Perez und Serach. Mit Perez geht der Stammbaum weiter. Ein späterer Salmon heiratet eine Rahab (Jos 2 und 6). Sie wohnte in der Stadtmauer von Jericho und war eine Dirne. Dann folgt ein Boas, der einen Sohn zeugt mit der Ährenleserin Ruth (Buch Rut). Sie wird die Urgrossmutter werden von König David. Dieser wiederum zeugt mit der Frau des Uria – im Ehebruch – den Salomo. Die Frau heisst Batseba (2 Sam 11-12; 1 Kön 1-2). Ihr Sohn Salomo folgt David auf dem Königsthron. Ganz am Ende der Liste taucht ein Jakob auf, von dem es wörtlich heisst: Er zeugte den Josef, den Mann der Maria; von ihr wurde Jesus geboren. Josef zeugt nicht mehr, denn Marias Kind stammt vom Heiligen Geist.

Der Stammbaum ist zweifellos vom Evangelisten arrangiert worden. Alle Väter stammen aus dem Haus Israel und sind durchaus mit Schwächen behaftet. Die vier Mütter, starke Frauen, kommen aus dem Heidentum. Matthäus ist offenbar davon überzeugt, dass nicht nur Männer mit Schwächen, sondern auch nicht jüdische Frauen unterschiedlichster Herkunft unter die Vorfahren Jesu einzureihen seien.

Welch tröstliche Geschichte!

Share This