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Vertrauen ist wichtig – gerade dort, wo etwas beginnt. Das bevorstehende Fest der Verkündigung des Herrn, das katholische Christinnen und Christen am 25. März – also neun Monate vor dem Geburtsfest Jesu – mitten im Frühling begehen, markiert einen Neuanfang. Es wirft einen Blick zurück auf die Anfänge des Glaubens. Die Anfänge lassen aber auch nach der Zukunft fragen. Beides, der Blick zurück und der Blick nach vorn, nimmt Gott und die Menschen in den Blick: den Bund, den Gott eingegangen ist, die Geschichte, die er mit seinem Volk macht. Am Anfang der Geschichte steht die liebende Initiative Gottes. Aber Gottes Liebe sehnt sich, wie jede Liebe, nach Antwort. Darum gehört der Glaube derer, die sich von Gott haben anrühren lassen, zu diesem Beginnen dazu.

Das Lukasevangelium erzählt von solch einem grossen Anfang: «Der Engel Gabriel», heisst es, «wurde von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die Nazareth heisst, zu einer Jungfrau. Ihr Name war Maria» (vgl. Lk 1,26f.). Lukas wählt seine Worte mit Bedacht, nichts überlässt er dem Zufall. Es soll deutlich sein: Hier steht niemand anderer als Gott selbst am Werk, aus eigenem Anstoss, aus liebevoller Zuwendung. Der zentrale Satz der Engels-Botschaft an Maria lautet darum: «Der Herr ist mit dir!» (Lk 1,28). Ein Zuspruch, der alttestamentliche Vorbilder hat. Immer geht es um den Heiligen Israels, der den Menschen nicht fernsteht, sondern nahe, weil er geschichtsmächtig ist. Jetzt kommt dieser unermesslich liebende Gott auf Maria zu, der er eine einzigartige Rolle in seiner Geschichte mit den Menschen zugedacht hat (vgl. Lk 1,30ff.). 
Maria reagiert zunächst überrascht. Anders als Zacharias, den in ähnlicher Situation Angst und Schrecken befielen (Lk 1,12), ist sie perplex – nicht so sehr angesichts der wenig alltäglichen Erscheinung eines Engels, sondern wegen dieses Auftrags, der von Gott her an ihr Ohr dringt. Maria fragt nach Sinn. Doch schon in der Sinnsuche zeigt sich, wie ihr Vertrauen wächst. Nachdem der Bote Gottes Willen konkretisiert, sagt sie «Ja».  Maria steht damit in einer grossen Reihe Gott vertrauender Menschen. Sie ist verfügbar. Ihr Glaube ist Ausdruck grossen Vertrauens.

Der Religionsphilosoph Martin Buber beschreibt in seiner 1950 erschienenen Schrift «Zwei Glaubensweisen» unterschiedliche Arten zu glauben. Er unterscheidet einen «Du-Glauben» vom «Dass-Glauben». Der «Du-Glaube» erkenne in Gott eine dem Menschen zugewandte Person, die Vertrauen ermögliche. Der «Dass-Glaube» charakterisiere hingegen ein blosses Für-Wahr-Halten von Glaubenssätzen. Die berühmte Begegnungsszene am Beginn des Lukasevangeliums zeigt, wie sehr Glaube vom Vertrauen lebt, wie umgekehrt das Vertrauen in Glauben mündet.  
Damit stellt Lukas allen nachfolgenden Glaubensgeschichten ein grosses Präludium voran. In seinem Evangelium begegnen uns immer wieder Berichte, die den Glauben der Menschen zum Thema machen. Jede dieser Erzählungen hebt auf ihre Weise unterschiedliche Aspekte eines intensiven Vertrauensglaubens hervor: dass er Menschen wieder heil und gesund werden lässt; dass er tiefe Freude eröffnet, Vergebung ermöglicht und Neuanfänge schafft; dass er den Mut schenkt, die Wahrheit zu sehen und Jesus zu folgen; ja, dass er schliesslich hineinführt in die Weite jener neuen Wirklichkeit, die Gott eröffnet und die wir Menschen mitunter etwas hilflos «Himmel» nennen.

Der Glaube zielt auf Vertrauen – und zwar Gott gegenüber, der sicher, fest und unerschütterlich ist, indem er sich selbst und seinen Verheissungen treu bleibt. Vertrauen ist darum der Anfang von allem!  

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