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Im Erstkommunionunterricht bat ich die Kinder meiner Gruppe, ihre Vorstellungen vom Himmel zu malen. Eifrig griffen alle zu Malstiften und begannen. Einige malten Figuren – Gott Vater, Jesus und viele Menschen –, andere malten Farben. Nur ein Mädchen sass vor ihrem Blatt Papier und machte nichts. Ich gab ihr noch etwas Zeit, denn es ist ja nicht so leicht, den Himmel zu Papier zu bringen. Dann ging ich zu ihr hin und fragte: «Weisst du nicht, was du malen sollst?» – Sie antwortete: «Ich bin fertig.» Ich nahm ihr Blatt und drehte es um in der Meinung, dass sie vielleicht die Rückseite bemalt habe, aber auch die war leer. «Glaubst du, dass der Himmel leer ist?», fragte ich verwundert. Sie schaute mich an und lachte: «Nein, der Himmel ist nicht leer, der Himmel ist weiss.»  

An diese Begebenheit habe ich mich erinnert, als ich das Evangelium des zweiten Fastensonntags von der Verklärung Jesu las. Als er mit seinen Jüngern auf den Berg hinaufsteigt und dort betet, «veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiss». Und auch Mose und Elija «erschienen in strahlendem Licht». Es scheint so, dass in diesem Augenblick der Himmel auf die Erde gekommen ist. Wenn die Bibel – auch das Alte Testament – den Himmel oder die Gegenwart Gottes beschreibt, dann spricht sie immer von einem strahlenden Licht, so hell, dass die Menschen es kaum aushalten können. Denken wir an Mose, der vom Berg Sinai hinabsteigt und dessen Gesicht so hell erleuchtet ist, dass er es bedecken muss, um die Israeliten nicht zu erschrecken. Da, wo Gott ist, ist das Licht.  

Im Augenblick der Verklärung wird dies für die Jünger deutlich. Sie sehen Jesus in einem «anderen Licht» – im Licht Gottes. In Jesus ist Gott ganz gegenwärtig, deshalb leuchtet er im Licht der absoluten Gegenwart Gottes.  

Auch in einem jedem Getauften ist Gott gegenwärtig, und damit das Licht. Freilich wird dieses Licht immer wieder getrübt durch Handlungen, Einstellungen, Gedanken und Haltungen, die uns von Gott wegführen – und deshalb können wir vielleicht nicht so klar strahlen wie Jesus. Und doch ist dieses Licht unauslöschlich in uns.  

Vielleicht kann es in dieser Fastenzeit eine Idee sein, dieses Licht in uns wieder zum Strahlen zu bringen, zum Beispiel, indem wir uns der Nähe und Gegenwart Gottes aussetzen, denn sein Licht färbt ab, oder indem wir versuchen, unseren Nächsten einmal in einem «anderen Licht» zu sehen, im Lichte Gottes, denn «der Himmel ist weiss».  

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