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Vor wenigen Tagen startete wieder die legendäre Segel-Regatta Ocean Race, die einmal um die ganze Welt verläuft. Sie gilt als eine der grössten Herausforderungen im Wassersport. Es war vielleicht nicht gerade eine Weltumsegelung, aber doch das Wissen um eine echte Herausforderung, das den frühen Christen vor Augen stand, als sie sich die Kirche bildhaft als ein Boot vorstellten.  

Ich verrate nichts Neues, wenn ich sage, dass dieses Boot der Kirche derzeit nicht gerade in ruhigen Gewässern unterwegs ist. Die Barometer stehen deutlich genug auf Sturm. Was muss an Bord eines Segelbootes eigentlich passieren, wenn Sturm aufkommt? Was müssen Seefahrer tun, um dann nicht unterzugehen?  

Das Erste, haben mir zwei Segler erzählt, sind das Sichern und Befestigen der wichtigsten Gegenstände an Bord. Damit im Sturm nichts davon über Bord geht, was wichtig und überlebensnotwendig ist. Was wäre das an Bord des Bootes der Kirche? Einen ersten Hinweis gibt Jesus selbst. Er sagt: Das eine Notwendige, das, was alles andere in den Schatten stellt, ist die Hinwendung zu Gott und zu den Menschen. Alles weitere ist sekundär. Haben wir das fest verankert? Wird man das von uns sagen können, dass wir zuerst Gott und die Menschen im Blick haben? In all unserem kirchlichen Debattieren und Diskutieren, in all unserem Organisieren und Gestalten: dass wir den Kompass richtig gestellt haben? 

Was ist noch zu tun, wenn Sturm aufkommt? Seeleute sagen, man muss die grossen Segel einholen, damit sie nicht reissen. Wäre das nicht auch ein Tipp für das Boot der Kirche? Für uns Glaubende hiesse das, zu lernen und auch zu akzeptieren, kleiner zu werden. Uns in unserem Tun und Lassen nicht länger abhängig zu machen von grossen Zahlen und soliden Mehrheiten. Segel einholen heisst, nicht immer nur zu jammern über leerer werdende Kirchen. Heisst auch, Kräfte neu zu bündeln und nach vorn zu blicken. 

Wer mit seinem Boot in einen Sturm gerät, der muss zudem wissen, welchen Kurs er zu fahren hat. Und dieser Kurs will klar und scharf berechnet sein. Segler raten oft dazu, hart am Wind zu bleiben. Hart am Wind, das heisst für Christinnen und Christen, auf der Höhe der Zeit zu sein, aber mit dem Mut, sich – wo nötig – von allem zu unterscheiden. Wer hart am Wind bleibt, der kapselt sich nicht ab. Der verwischt aber auch nicht seine Konturen.  

Es kann einem bei stürmischer See übrigens auch ganz ungemein übel werden. Was kann man dagegen tun? Erfahrene Segler raten: «Du musst den Horizont in den Blick nehmen!» Der Horizont ist ruhig, er beruhigt Magen und Gemüt. Man wird das auch für das Boot der Kirche sagen können, dass einem an Bord bisweilen speiübel werden kann. Aber dann kommt es darauf an, auf den Horizont zu schauen. Denn von dort scheint uns Gottes Licht entgegen. Wo Gott im Kommen ist, hat alle Übelkeit ein Ende!

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