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An einem sonnigen Herbsttag vor vielen Jahren konnte ich an Bord eines alten Fischkutters eine Szene der besonderen Art verfolgen. Es stakste plötzlich eine hochfeine Dame in hohen Schuhen über Deck, öffnete Luke um Luke und schaute kopfschüttelnd hinein. Schliesslich wandte sie sich entnervt an den Kapitän und fragte, wo denn hier wohl die Damentoilette sei. Der Kapitän, ein rauer Seebär, deutete auf die Reling des Kutters und sagte: «So weit, wie du gucken kannst!» Und als die feine Dame daraufhin zu zetern begann, fielen vonseiten des Schiffsführers die dröhnenden Worte: «Kannst ja gehen, wenn dir das nicht passt.» Man möchte seinen Augen nicht trauen, wenn man im  Prinzip dasselbe Wort aus dem Munde Jesu vernimmt. Zugegeben in komplett anderem Zusammenhang, aber der Sache nach doch sehr ähnlich. Als einige der Anhänger Jesu beginnen, zu murren, als sie sich verärgert oder enttäuscht der Reihe nach von ihm abwenden, da beginnt er keine lange Diskussion, sondern fragt ganz einfach: Wollt auch Ihr gehen (Joh 6,67)?   

Der Gottessohn aus Nazareth wirkt kompromisslos. Er scheint sogar davon auszugehen, dass die Botschaft, für die er steht, zu einer echten Zumutung für seine Jünger werden kann. Wenn ich darüber nachdenke, muss ich sagen, dass mir spontan mindestens fünf Zumutungen Jesu einfallen:  

Die erste Zumutung: In einer Zeit, in der die Menschen unseres Kontinents Gott offenbar in der Masse den Rücken kehren und ihre Vorbehalte pflegen, da verlangt Jesus als erstes und wichtigstes all seiner Gebote: Du sollst Gott lieben, mit der ganzen Kraft deines Herzens, ungeteilt und immer mehr. 

Die zweite Zumutung: In einer Zeit, wo die Börsenberichte immer breiteren Raum einnehmen, wo gilt «Haste was, biste was», da ruft Jesus dazu auf, kostbare Schätze nicht in dieser Welt, sondern im Himmel, bei Gott, zu sammeln.  

Damit einher geht die dritte Zumutung: Inmitten einer Welt, die zu zerreissen droht an ungerechter Güterverteilung, die geplagt ist von Hungersnöten und voller materieller Armut steckt, inmitten einer solchen Welt ruft Jesus nicht einfach nur zum Mitgefühl auf, sondern er fordert unsere Initiative, dass es in dieser Welt ein Stück gerechter zugehe. Was ihr für einen der Geringsten getan habt, das habt ihr für mich getan, sagt Jesus. 

Die vierte Zumutung hat mit den Kriegen, dem Terror und der Gewalt zu tun. In einer Welt, in der Terroristen dumm genug sind, zu meinen, mit ihrer menschenverachtenden Gewalt Gott die Ehre zu geben; einer Welt, die aus den Fugen gerät, in der Hass und Unfriede kultiviert werden und kaum einer bereit ist, über den eigenen Schatten zu springen und dem anderen zu verzeihen, in einer solchen Welt ruft Jesus dazu auf, unendlich oft zu verzeihen und sogar dem Feind mit Achtung und Respekt zu begegnen. 

Und schliesslich die fünfte Zumutung. In einer Welt, in der Menschen noch immer unter teils schwerer Krankheit zu leiden haben, wo Menschen sterben und andere um sie trauern müssen; in einer Welt, in der wir Gottes Wege bisweilen nicht verstehen und das Dunkel uns überfällt, da spricht Jesus vom Licht der Welt und mutet uns zu, gegen alle Hoffnung zu hoffen. Ich bin die Auferstehung und das Leben, sagt er, wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.  

Jesus mutet Menschen etwas zu. Und so richtet sich seine Frage an uns: Willst du auch gehen? Am Ende liegt es an uns, ob wir uns je neu zu ihm durchringen können. Damit auch wir mit dem Grossmut des Herzens sagen können: Wohin sonst sollen wir denn gehen, Herr, wenn nicht zu dir? Du allein hast Worte ewigen Lebens! Denn Nach-Folgen heisst, wenn man es wörtlich übersetzt, Dran-Bleiben. 

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