Kundendienst: Tel. 056 203 22 00 kundendienst@diemedienag.ch

Am 24. Juni feiern wir das Hochfest Johannes des Täufers. Ein durchgehendes Thema in den Lesungen ist die Erwählung.  

«Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, als ich noch im Schoss meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt.» 

Solch eine Aussage kann erschrecken. Soll schon alles geplant gewesen sein von einer äusseren Macht? Wo bleibt die Selbstbestimmung, die Freiheit?  

Das Wort von der Erwählung schon vor der Entstehung im Mutterleib kann man aber auch anders verstehen und deuten. Eine junge Frau erzählte mir ihre Lebensgeschichte. Sie war adoptiert und hat mit 25 Jahren ihre leibliche Mutter kennenlernen können. Vor dieser Begegnung hatte sie lange darüber nachgedacht, welchen Grund ihre Mutter wohl gehabt haben könnte, sie zur Adoption freizugeben. Finanzielle Probleme vielleicht, eine heimliche Liebschaft, die nicht öffentlich werden durfte, eine Liebesnacht, die zur Schwangerschaft führte und die junge Mutter vielleicht überforderte …  

Als sie dann ihre Mutter traf und nach dem Grund fragte, erfolgte der Schock. Ihre Mutter wurde vergewaltigt und hatte eigentlich eine Abtreibung geplant. Was sie davon abhielt, war einzig die Tatsache, dass die Schwangerschaft schon zu weit fortgeschritten und eine Abtreibung nicht mehr möglich war.  

Diese junge Frau war schockiert – und wütend, besonders wütend auf Gott. Wie konntest du das zulassen? Warum musste ich aus einer Gewaltbeziehung entstehen? Warum konnte ich nicht ein Kind der Liebe sein?  

Am Fest Johannes des Täufers war sie in der Kirche und hörte diese Worte: «Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, als ich noch im Schoss meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt» – und sie trafen sie mitten ins Herz. Egal, wie du entstanden bist, du bist da. Egal, wie die Umstände waren, ich habe dich erwählt und dir einen Namen gegeben. Von Anfang an habe ich für dich gesorgt und dich beschützt.  

Der Antwortpsalm nach der ersten Lesung war dann die Antwort dieser jungen Frau auf Gottes Erwählung:  

Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, 
hast mich gewoben im Schoss meiner Mutter.
Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. 
Ich weiss es genau: Wunderbar sind deine Werke. 
Dir waren meine Glieder nicht verborgen, 
als ich gemacht wurde im Verborgenen, 
gewirkt in den Tiefen der Erde.
Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen. 
In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: 
die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war. 

Share This